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3 (1896) 1879 - 1890
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152 Die erste Session der VI. Legislatur-Periode des Reichstags

französischen Botschafter Baron de Conrcel über die Abgrenzungen der französischenund deutschen Gebiete an der Goldküste und in der Biafra-Bai zu oerhandeln.

Mehrfach lud der Kanzler Herrn Woerinann nach Friedrichsrnh ein. DerFürst machte dann häufig Bemerkungen darüber, daß ihm in der Kolonialpolitiknamentlich von den Kaufleuten nicht die genügende Unterstützung zu teil würde.

Er fragte Woermann auch einmal, woher es wohl kommen möge, daß dieBeamten in den Kolonien sich so selten unter einander vertragen könnten, esschiene ihm, daß die ineisten von ihnen von demturor rsAiminalis" ergriffenwürden. Woermann erwiderte daraus, daß es den Kanfleuten mit ihren An-gestellten auch nicht besser erginge; zu allen Schwächen, welche in Europa dieMenschen beherrschten, kämen in Afrika noch das Klimafieber und viele andreVerhältnisse hinzu, welche den Charakter der Europäer beeinflußten.

Bei einer andern Gelegenheit sprach der Fürst noch über Wißmann. Er-höbe diesem stets volles Vertrauen geschenkt und ihm xloiu xonvoir gegeben,da er selbst von Berlin in die Einzelheiten in Ostafrika nicht habe sachkundigeingreifen können. Wißmann habe dies Vertrauen niemals mißbraucht odergetäuscht; in allen schwierigen Verhältnissen, in die er gekommen sei, habe Wiß-mann sich stetseine vollkommen weiße Weste" erhalten.

Bei einer Gelegenheit fragte Woermann den Fürsten Bismarck, wie Kaiser-Wilhelm I. persönlich zu der Kolonialpolitik stehe, ob er sich auch dafür interessiereoder nicht. Der Fürst erwiderte, daß der Kaiser sich kaum für die Einzelheiteninteressiere, daß er aber die Überzeugung gewonnen habe, daß es für ein großes,mächtiges Reich, wie das jetzige Deutschland, auchdazu gehöre", die über-seeischen Unternehmungen seiner Angehörigen zu fördern und zu schützen, und daßvon diesem Gesichtspunkte aus Seine Majestät der Kolonialpolitik zugestimmt habe.

Am 19. Dezember 1884 sprach Bismarck den Abgeordneten von Helldorffvon 1^2^ Uhr) über die Lage; am 21. Januar 1885 speisten die Abgeordnetenvon Helldorff und von Minnigerode bei Bismarck.

Am 10. Februar 1885 stand auf der Tagesordnung des Reichstags dieerste Beratung des Gesetzentwurfs, betr. die Abänderung des Zolltarisgesetzes vom15. Juli 1879,,zu dessen Verteidigung Fürst Bismarck das Wort ergriff, um sichin der Hauptsache über die Notwendigkeit eines genügenden Zollschutzes fürHolz und Getreide auszusprechen. Als nächster Redner ergriff der Abgeordnetevon Schalscha das Wort, um sich zunächst gegen den Abgeordneten Rickert zuwenden und dann die ihm sympathische Vorlage der Regierung zu verteidigen.Am Schluß der Rede kam der Abgeordnete auf die Doppelwährung zu sprechenund bemerkte, er werde gerne den größten Teil der Zölle preisgeben, wenn dieRegierung zur Doppelwährung übergehe. Der Kanzler war nach Schluß seinerRede bereits im Begriffe, den Reichstag zu verlassen, als ihn die Ausführungenvon Schalscha's zu fesseln schienen. Genug, er blieb, und hörte dessen Rede biszum Schluffe an. Noch am gleichen Tage erhielt Herr von Schalscha durchGeheimrat von Roitenburg eine Einladung des Fürsten Bismarck, ihn am folgenden