die Majorität in diesem Reichstag. Die Kommission wird das Grab der Vor-lage sein, sie mag all aota 8amoa gelegt werden. Daß die heimische Handels-kammer in Plauen mit Energie für das fragliche Unternehmen eingetreten ist,hat mir große Freude gemacht. Freilich wird sie sich den Hohn Engen Richter'sgefallen lassen müssen, welcher findet, daß die Schwärmerei für überseeische Dingebei den Leuten um so größer ist, je entfernter sie von der See wohnen.
Heute fand der vielbesprochene „parlamentarische Frühschoppen" beim Reichs-kanzler statt'). Mir war diesmal das Glück wieder recht hold — unberufen!
Ich saß mit einigen Herren der konservativen und der nationalliberalenPartei sowie des Centrums an einem der in dem sogenannten Kongreßsaal aus-gestellten Tische, und wir thaten uns gerade an dem wirklich selten schönen Kaviargütlich, als der Fürst sich unserm Tische näherte und bei uns niederließ. Erhat wohl nahezu eine Stunde bei uns verweilt. Anfangs bewegte sich das Ge-spräch um gleichgültige Dinge, die Vorzüge des Hofbräns, eines leichten Mosel-weins und dergl. Der Kanzler bedauerte dabei, daß das unfreundliche Wetteres ihm unmöglich gemacht, uns in seinem Garten zu bewirten; wenn das Wettersich bessere, werde er uns in nächster Woche wiederum bitten, einen Frühschoppenbei ihm zu genehmigen, dann aber im Garten. Später wendete sich das Gesprächauf die Vorgänge um die Jahreswende 1870/71.
Fürst Bismarck erzählte, über die Kriegskontribution von 200 MillionenFranken, welche damals noch vor dem Friedensschluß der Stadt Paris auferlegtworden, habe er mit dem „kleinen" Thiers verhandelt, als sie miteinander dieTreppe hinnnterqegangen seien. Er habe zu Thiers gesagt: „Wir würdenglauben, Paris zu beleidigen, wenn wir weniger als eine Milliarde verlangenwollten." Thiers sei ob der Höhe der Summe bald vom Stengel gefallen.Die Verhandlungen seien fortgesetzt worden, und als man unten an der Treppeangelangt, sei man darüber einig gewesen, daß Paris 200 Millionen Frankenzu zahlen habe. Diese seien denn auch entrichtet worden. Er, Bismarck, habedarauf im preußischen Miuisterrat beantragt, daß diese Summe, die erste Ein-nahme aus dem mit vereinten Kräften geführten Nationalkriege, dazu verwendetwerde, den deutschen Bundesgenossen die Kriegskostenentschädigungen zurückzn-zahlen, welche sie im Jahre 1866 an das siegreiche Preußen hatten zahlen müssen.Er sei da auf lebhaften Widerstand gestoßen, man habe ihm erwidert: „DieseDinge gehören der Vergangenheit an!" Er habe entgegnet: „Es ist nicht nur fürdie Vergangenheit, sondern auch für die Zukunft, wir schmieden damit das neueReich fester zusammen." Er sei aber in der Minorität geblieben oder vielmehrganz allein, keiner seiner Kollegen habe mit ihm gestimmt.
Weiter besprach er die Vorgänge vor der Kaiserproklamation am 17. bezw.18. Januar 1871 und die Beteiligung des Königs von Bayern dabei. Letztererhabe ihn schon damals, wie bis heute, mit seinem Vertrauen beehrt. Bei früherenVerhandlungen mit dem König von Bayern habe er diese»: einmal gesagt: „Ew.
') Vergl. darüber Bd. I (2. Aufl.), S. 263 f.