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3 (1896) 1879 - 1890
Entstehung
Seite
125
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1884

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die Frage, warum Bismarck nicht daran gedacht habe, diesem ausgezeichnetenParlamentarier ein Portefeuille anznbieten. Eine Minister-Kandidatur Miguelhat zur Zeit Bismarck's aber wiederholt gespielt. Im Monat April 1884 warviel von einer Ministerkrise die Rede. Fürst Bismarck wollte, so wurde gemeldet,sich von der Leitung der Geschäfte Preußens, die er nach der kurzen Unterbrechungdes Ministerpräsidiums des Grasen Roon nahezu ein Vierteljahrhundert geführt,zurückzieheu. In denselben Tagen (15. April 1884) berichtete die „NorddeutscheAllgemeine Zeitung": Verschiedene Blätter beschäftigen sich mit Verhandlungen,welche über den Eintritt des Herrn Miguel in das preußische Ministerium statt-gesunden haben sollen. Die betreffenden Artikel beruhen ohne Ausnahme aufErfindung, ebenso wie die sonstigen Lückenbüßer über Ministerkrisen. Es istweder eine Vakanz, noch eine neu zu schaffende Stellung in Aussicht, die zudergleichen Mutmaßungen Anlaß geben könnten. Der Ursprung aller dieser Er-findungen beruht möglicherweise auf subalterner Ausbeutung der Thatsache, daßder Reichskanzler den Wunsch gehabt hat, Herrn Miguel bei seiner letzten An-wesenheit in Berlin zu sehen, ohne denselben aber verwirklichen zu können, weilHerr Miguel vor Empfang der erfolgten Einladung Berlin verlassen hatte. Einsolcher Wunsch hat bei den von jeher guten Beziehungen zwischen dem Reichs-kanzler und Herrn Miguel an sich nichts Auffälliges und können ehrlicherweisedaraus doch von niemand Rückschlüsse auf Ministerkrisen und Minister-Zukunftgezogen werden. Fürst Bismarck kann sowohl um der Persönlichkeit des HerrnMiguel willen, als auch wegen seiner hervorragenden Stellung in einer angesehe-nen Fraktion, auch wegen seiner Eigenschaft als oonsnl einer so bedeu-

tenden Stadt wie Franksnrt a. M. Z ist, sehr wohl das Bedürfnis nach persön-lichem Verkehr mit demselben haben, ohne daß daraus auf eine Ministerkrisisund Verhandlungen über Neubesetzung noch nicht vakanter Stellen geschlossenwerden dürfte^)!

Zur Feier der Grundsteinlegung des Reichstagsgebäudes erschien am 9. Juni1884 um 11^ Uhr der Reichskanzler in der Uniform seiner MagdeburgerKürassiere mit wallendem Federbusch, im großen Bande des Schwarzen Adler-

9 Fürst Bismarck hatte die au ihn ergangene Einladung, welche der Oberbürgermeistervon Frankfurt, Herr Miguel, namens der Stadt zur Teilnahme an dem Kaiserdincr am 27. Sep-ember 1883 an ihn gelangen ließ, abgelehnt. Zn dem an Herrn Miguel gerichteten Schreibensprach der Reichskanzler sein Bedauern ans, daß sein Gesundheitszustand, der eben erst in der, Genesung begriffen sei, und bestimmte ärztliche Verordnung die Teilnahme am Fest unmöglichmache. Der Brief schloß: „Es ist mir schmerzlich, mir die Freude versagen zu müssen, dievielen wohlthuenden Erinnerungen wieder aufzufrischen, welche mich an Frankfurt knüpfen."

2) Der orthodox-konservative „Reichsbote" bemerkte hierzu in einem „Wie Or. MiguelMinister geworden" überschriebenen Artikel: Gleichwohl hatte das Gerücht einen ernsten Kerngehabt. Fürst Bismarck wollte damals Herrn Miguel an die Stelle des Ministers von Pntt-kamer (?) bringen. Der Frankfurter Oberbürgermeister lehnte ab. Drei Jahre später gedachteder Reichskanzler sein Portefeuille als preußischer Handelsminister niederznlegen und konferiertewegen des Nachfolgers wiederum mit I)r. Miguel,