1883
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Ich unterlasse, die von mir besprochene Frage in ihre Details zu verfolgen,mit Rücksicht auf die so eng bemessene Zeit Eurer Durchlaucht, sie hat mich aberin meinem einsamen Krankenzimmer so sehr erregt, daß ich mir in der Erinnerungan die Kämpfe des Jahres 1879 nicht versagen konnte, an entscheidender Stelledieselbe in Anregung zu bringen und in meinem Sinne zu besprechen.
Ich benutze diesen Anlaß, zu dem Ausdruck meiner ausgezeichnetsten Hoch-achtung und innigsten Verehrung, womit ich die Ehre habe zu sein."
Bismarck antwortete dem Freiherrn von Varnbüler zustimmend ff, —
Am 9. Januar 1883 hatten die Parlamentarier den Genuß, den FürstenBismarck mit dem vielbesprochenen Vollbarte, mit dem er von Varzin zurück-gekehrt war, zu bewundern. Um 2 Uhr erschien der Kanzler im Reichstag, vonallen Seiten angestaunt. Bevor er seinen Platz am Bundesrats-Tische einnahm,begrüßte er den Abgeordneten Grafen Moltke, neben dem er sich zu einem Ge-spräch niederließ.
Mit seinem Nachbar am Bundesrats-Tische, dem Unterstaalssekretär Marcard,unterhielt sich Bismarck über die trichinösen amerikanischen Speckseiten. DerKanzler begrüßte dann den das Präsidium führenden Freiherrn von Franckenstein,und konferierte längere Zeit mit dem Kriegsmiuister.
Bald darauf machte er eine Mitteilung von dem hochherzigen Entschlüssedes Kaisers, 600000 Mark aus dem Allerhöchsten Dispositionsfonds zur Linderungder Rheinüberschwemmungen zu bewilligeu. —
Der Verlauf der bedeutsamen Unterredung, welche Bismarck mit dem Ab-geordneten Freiherrn von Hertling am 7. April 1883 hatte, ist bereits in Bd. I.2. Ausl., S. 361, mitgeteilt worden. —
Ende April 1883 ging in parlamentarischen Kreisen das Gerücht von einerÄußerung, die Bismarck im Privatgespräch gethan haben sollte, und die dahinlautete: „Die Ehre der Regierung fordere es, den Reichstag aufzulösen, falls
derselbe nicht vor seinem Auseinandergehen im Sommer das Budget fertig ge-stellt habe." Er knüpfte daran angeblich noch eine etwas undurchsichtige An-deutung über noch weitere Folgen, die sich an ein solches Vorkommnis anschließenwürden. Kurze Zeit darauf verdichtete sich der Ausspruch Bismarck's bereits zu derVersion, daß sich an eine eventuelle Auflösung des Reichstags „eine Tragödie"oder eine „kleine Tragödie" knüpfen könne. „Das Dentsche Reich — soll FürstBismarck gesagt haben — ist auf Grund eines Vertrages zwischen den deutschenSouveränen und den Freien Städten entstanden. Diese Kontrahenten sind somitin der Lage, den Vertrag ebenso zu lösen, wie sie ihn geschaffen haben, undgleichzeitig einen neuen Vertrag abzuschließcn, der sich von dem früheren wesent-lich unterscheiden kann und beispielsweise das Institut eines deutschen Reichs-tags gar nicht zu kennen braucht! Nicht einmal das Hindernis eines politischenEides steht hier im Wege, denn niemand hat die Reichsverfassung beschworen."
9 Der Brief ist leider nicht erhalten.