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Jahren zu den Bekannten des Hauses Bismarck; er selbst ist erst im Fahre1879 in nähere Beziehung zu dem fürstlichen Hanse getreten, nachdem er imWahlkreise Schlawe-Rummelsburg zum Mitglieds des preußischen Abgeordneten-hauses gewählt worden war.
Obgleich die Stimmen der Varziner Güter Herrn von Massow bei der Wahlnicht zufielen, machte derselbe gleich nach der Wahl seinen Besuch in Varzin und fandeine überaus freundliche Ausnahme. Seit der Zeit ist Herr von Massow alljährlichin Varzin, Berlin oder Friedrichsruh der Gast im Fürst Bismarck'schen Hausegewesen, und nachdem Fürst Bismarck erkannt, daß er in demselben nicht nureinen persönlichen Verehrer, sondern auch einen unbedingt politischen Anhängerin ihm hatte, wurde der Verkehr ein vertraulicher, was sich besonders in denvom Fürsten geführten Gesprächen dokumentierte. Mit der ihm eigenen Offenheitbesprach der Reichskanzler seine Stellung zu Kaiser Wilhelm I. und das Ver-hältnis zu seinen Kollegen im Ministerium, insonderheit sein Verhältnis zu denpolitischen Parteien.
Zu der Zeit, als Fürst Bismarck noch lange im Dienst war, äußerte erwiederholt: „Als Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident habe ich keineZugehörigkeit zu einer besonderen politischen Partei, auch nicht zu der konservativen,ich nehme die Unterstützung von allen Parteien und acceptiere einen persönlichenVerkehr von allen denjenigen, welche mich in meinem Streben zum Wohle desVaterlandes unterstützen wollen. Bin ich erst nicht mehr im Dienst, dann ändertsich die Sache, dann werde ich mich zu denen halten, die namentlich auf wirt-schaftlichem Gebiet mit mir denselben Strang ziehen." Der Fürst hat also schondamals bekannt gegeben, daß er nach seiner Verabschiedung den Maßnahmen derRegierung nicht indifferent gegenüber stehen werde, vielmehr jederzeit init seinenpersönlichen Ansichten nicht zurückhalten würde.
Neu eingetreten war ferner in den Reichstag der damalige HofpredigerStöcker ft. Einigermaßen mysteriös bezeichnet Hermann Wagener das Verhältnisdes Fürsten Bismarck zu demselben. „Daß derselbe jemals eine Einladung nachVarzin oder Friedrichsruh erhalten, haben wir nicht gehört, wenngleich man unsversichert, daß er hier im Reichskanzlerpalais verkehre. Wahrscheinlich gilt hierinutatis llirrtanäis der Spruch aus Goethe's Faust: Von Zeit zu Zeit seh' ichden Pastor gern."
Über die Stellung der Regierung zu der sozial-politischen Thätigkeit desHofpredigers Stöcker wurde im Dezember 1880 der „Schlesischen Zeitung" ge-
') Stöcker, Christian Adolf, Hof- und Domprediger in Berlin. Geb. den II. Dezember1885 (euang.). Pfarrer in Seggerde 1863—1866, in Hamersleben 1866—1871, Divisions-pfarrer in Metz 1871—1874, seitdem Hof- und Domprediger in Berlin. Mitglied des preußi-schen Abgeordnetenhauses seit 1879 für den Wahlkreis Bielefeld-Herford-Halle. — Wahlkreis;1. Regierungsbezirk Arnsberg, Siegen. (Christlich-sozial, Fraktion der Deutsch-Konservativen).Vergl. noch Wiermann „Der deutsche Reichstag", Bd. II., S. 282—307. Über die StellungBismarcks zur Stöcker'schen Bewegung s. die „Post" 1880, Nr. 332 (Auszug ans einem,,Grenzboten"-Artikel).