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3 (1896) 1879 - 1890
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Die erste Session der V. Legislatur-Periode des Reichstags

drängte sich dein Freiherrn von Hammerstein die Überzeugung aus, daß es jetzt für diekonservative Partei an der Zeit sei, Bismarck's wirtschaftliche Politik wirksam zuunterstützen und mit der alten Fronde aufzuräumen. Während die andern De-klaranten dem Bedauern über frühere Mißverständnisse meist in KollektiverklärungenAusdruck gaben, richtete Freiherr von Hammerstein persönlich ein Schreiben anden Fürsten Bismarck, worin derselbe im Sinne der übrigen Deklaranten um dieWiederherstellung vertrauensvoller Beziehungen bat. Bismarck antwortete als-bald in befriedigendem Sinne.

Als es bereits bekannt war, daß Freiherr von Hammerstein die Leitung derKreuzzeitung" übernehmen werde, lud Bismarck denselben, da er gerade inPommern sich aufhielt, ein, ihn in Varzin zu besuchen. Hammerstein folgtedieser Einladung und hielt sich anfangs November 188l zwei Tage in Varzinauf. Hier wurden eingehende politische Verhandlungen zwischen beiden geführt.Bismarck kam es darauf an, zum Zwecke der weiteren Durchführung seiner Zoll-politik und der Gesetzgebung für die wirtschaftlich Schwachen das gute Ver-hältnis, welches sich 1879 zwischen den Konservativen und dem Centrum beiBeratung des Zolltarifs angebahnt hatte, weiter zu pflegen. Hammerstein er-schien dem Kanzler als ein Bindeglied zwischen diesen Parteien, deren Einver-nehmen ihm auch in der Frage der Beseitigung des Kulturkampfes wünschens-wert war. Deshalb war es dem Fürsten Bismarck auch willkommen, daßHammerstein, welcher bisher nur den, Landtag angehört hatte, nunmehr auchMitglied des Reichstags geworden war. Er wünschte, daß derselbe die Reor-ganisation der konservativen Partei in die Hand nehme und sich in dieser Sachemit dem Minister von Puttkamer in Verbindung setze. Von dem Anerbieten desKanzlers, Hammerstein brieflich bei dem Minister des Innern einzusühren,brauchte derselbe nicht Gebrauch zu machen, da er mit Puttkamer bereits hinlänglichbekannt war. Übrigens hatte der Kanzler vor, in den nächsten Tagen selbst nachBerlin zu kommen, so daß dieser Punkt mündlich erledigt werden konnte.

Freiherr von Hammerstein gehörte zu den extremen Konservativen, so daßsich Bismarck über sein Programm keiner Täuschung hingeben konnte. In dieserpolitischen Gruudanschauung des Parlamentariers lag die Ursache, weshalb eszwischen ihm und Bismarck niemals zu einer Einigung kam. Der Verkehr ge-staltete sich gleichwohl freundlich"; Hanuuerstein war öfters bei Bismarck zuspeziellen Beratungen. Es kam vor, daß er ihm in den Reichstag sagen ließ,er esse heute allein, ob er ihn zu Tisch erwarten dürfe.

Aus Bismarck's Nachbarschaft in Varzin gelangte in den Reichstag Adolfvon Massow auf Rohrst. Die Eltern des Abgeordneten gehörten seit langen

>) von Massow, Adolf, Rittergutsbesitzer, Major z. D., auf Rohr (Pommern). Wahl-kreis: 2. Köslin (Schlawe-Rummelsbnrg). Dentschkonservativ. Geb. am 27. August 1837zu Berlin; evangelisch. 1857 Offizier im Zieten-Hnsaren-Regiment, später im Garde Kürassier-Regiment bis zum Major. Mitglied des Kreistags und Amtsvorsteher, Mitglied des Reichs-tags seit 1881, des preußischen Abgeordnetenhauses von 187N bis 1882.