Druckschrift 
3 (1896) 1879 - 1890
Entstehung
Seite
73
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1881/82

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ich wirklich nach besten Kräften den Wahlkreis vertreten und ich war eine wirk-same Stütze für die Interessen des rein ländlichen Bezirks gewesen, dem dieneue Zollgesetzgebung sehr zu gute kam; ich hatte die Politik des Kanzlers kräftigunterstützt, deren vaterländische Ziele und wunderbare Erfolge aller Welt sichtbarvor Augen lagen, dennoch machten die sogenanntenkönigstreuen Konservativen"den ersten Ausfall gegen mich, und im Verein mit Juden und Kaplänen über-lieferten sie den Wahlkreis, der bisher immer konservativ gewählt hatte, an einenFortschrittsmann aus Berlin. Das allgemeine Wahlrecht und der Fraktions-fanatismus zeigten, wessen sie fähig seien' Sechszehn Jahre hatte ich lmeinevornehmste Beschäftigung in der Arbeit im Reichstag gefunden, den gesetzgeberischenAusbau des stolzen Gebäudes, dessen Fundamente ich in zwei großen Kriegenunter Einsetzung meines Lebens mitgelegt, und jetzt einem unbekannten Bierbrauerzu unterliegen das kränkte mich.

In dem neuen Reichstag war überdies die patriotische Mehrheit frühererZeiten zersprengt und Windthorst konnte erklären,dieser Reichstag gefiele ihmsehr gut!" Meine Fraktion war dezimiert, fast alle bedeutenderen meiner früherenparlamentarischen Genossen waren unterlegen oder hatten eine Neuwahl abgelehnt dies alles machte mir den Abschied vom Parlament leichtst."

Zu bemerken ist noch, daß die Niederlage des Grafen Fred Frankenbergerfolgte, wiewohl der Reichskanzler nachstehendes, offenbar für die Wähler be-stimmte Telegramm an ihn gerichtet hattest:

Brief erhalten. Falls es zum Tabaksmonopol kommt, liegt die Er-richtung einer Staatsfabrik in Ohlau, welche dort in erster Linie indiziert ist,in der Absicht der Regierung. von Bismarck.

Neu eingetreteu in den Reichstag war Freiherr von Hammersteinst, derselbewar Deklarant und als solcher, wiewohl schon vor 1880 namhaftes Mitgliedder konservativen Partei im Abgeordnetenhause, für Bismarck nicht vorhanden.Als Fürst Bismarck im Jahre 1879 die Zolltarifreform durchsetzte und den be-kannten agrarischen Brief an den Freiherrn von Thüngen geschrieben hatte, da

st Zm Winter 1882 beteiligte sich Graf Frankenberg an der Gründung eines deutschenKolonialvereins und wurde demnächst erster Vorsitzender der Abteilung Berlin.

'0 Zu vergl. über den Schriftwechsel zwischen Bismarck und Frankenberg diePost"1881, Nr. 310, und dieVossische Zeitung" vom 6. November 1881, Nr. 519, und 11. No-vember 1881, Nr. 527, (demnächstige Erklärung Frankenberg's an seine Wühler).

st Freiherr von Hammerstein, Wilhelm: zu Berlin. Wahlkreis: 2. RegierungsbezirkMinden (Herford-Halle). Deutschkonservativ. Geb. am 21. Februar 1838; lutherisch. Nachabsolvierter Maturitätsprüfung widmete er sich dem Studium der Forstwissenschaft auf denAkademien zu Tharand und Eberswalde. Ostern 1860 trat er als Forstmann in mecklenbnrg-schwerinsche Dienste, die er 1863 wieder verließ, um die nach dem Tode seines Vaters ererbtenGüter zu bewirtschaften. Übernahm ain 28. November 1881 die Chefredaktion derKreuzzeitung"und verlegte seinen Wohnsitz nach Berlin. Seit 1876 Mitglied des Abgeordnetenhauses. Mit-glied des Reichstags von 1881 bis 1890. Seit dem 1. September 1892 wiedergewühlt fürdenselben Wahlkreis. Vergl. auch SchultheßGeschichtskalender" 1889, S. 26 und 149, undWiermannDer deutsche Reichstag". Seine Parteien und Größe. Bd. II., S. 229.