Druckschrift 
3 (1896) 1879 - 1890
Entstehung
Seite
54
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Z4 Die vierte Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

wurde, Blicke zu thun in das reiche Gemütsleben und das geistige Walten undGestalten dieses echtesten Deutschen. Mir war oft vergönnt, Kenntnis von ver-gangenen und gegenwärtigen Ereignissen zu erhalten, die nur wenig Menschenbekannt sein mögen. Ich erfuhr Dinge über Personen und Vorkommnisse,welche oft meine bisherige Meinung ganz und gar umwarfen. Ich hörte denFürsten Ereignisse Voraussagen und Thaten der Menschen berechnen, die mirganz unglaublich erschienen. Jetzt, nach einer Reihe von Jahren in meinenTagebüchern blätternd, finde ich mit Erstaunen bestätigt und geschehen, was ichdamals als nimmermehr möglich ansah.

Mit hoher Freude erfüllte es mich, daß bei mehreren nicht unwichtigenAngelegenheiten der Fürst meinen Rat verlangte und annahm vielleichtdarum, weil er ihn für unbefangen und frei von selbstsüchtigen Motiven er-kannte. Der große Menschenkenner wußte wohl, daß ich nichts für mich wollte,keine Stelle irgend welcher Art ambierte und darum traute er meinem Worte.Meiner heimatlichen Provinz vermochte ich in mehreren Gelegenheiten von Nutzenzu sein.

Da meine Fraktion mich meist in die wichtigsten und arbeitsreichsten Kom-missionen des Reichstags entsendete, konnte ich dort oftmals den Wünschen desKanzlers zur Annahme verhelfen oder Ablehnung unliebsamer Anträge durch-setzen. Die Scheu vor dem Reden, die mich in den ersten Jahren arg be-herrschte, legte ich nach und nach ab, und hielt bei wichtigen Gelegenheitensogenannte große Tribünenreden, die das Ohr des Hauses hatten. So waralso meine Stellung im Reichstag derart, wie ich sie wünschte, und ich arbeitetemit mehr Lust, Liebe und Gewissenhaftigkeit an den mannigfachen gesetzgeberischenArbeiten, als wohl mancher der verehrten Kollegen."

Es mag um diese Zeit gewesen sein, daß Graf Frankenberg bei demReichskanzler das Thema Auswanderung und Kolonien berührte. Er war überdessen Antwort sehr erstaunt!So lange ich Reichskanzler bin, treiben wir keineKolonialpolitik. Wir haben eine Flotte, die nicht fahren kann (es war in derBlütezeit der Ära Stosch) und wir dürfen keine verwundbaren Punkte in fernenWeltteilen haben, die den Franzosen als Beute Zufällen, sobald es losgeht."

Die spätere Politik des Kanzlers war für den Grafen Frankenberg einBeweis, wie anders derselbe fünf Jahre später über unsre Flotte und überunsre Kraft dachte, auch in fernen Weltteilen den deutschen Bürger und seinenBesitz schützen zu können.Es ist so bemerkte Gras Frankenberg einstolzes und wohlthuendes Gefühl für mich, den kompetentesten Beurteiler vonDeutschlands Können, so klar und gewaltig zur Schau tragen zu sehen, wie sehrer die Fortschritte der Macht des Vaterlandes anerkennt und schätzt. Daß erzugleich mit dieser Erkenntnis seine frühere Meinung ruhig ausgab, zeigt wieder indiesem eklatanten Falle die erhabene Größe dieses Patrioten."

Inwiefern sich der Reichstagsabgeordnete Freiherr von Varnbüler der Zu-stimmung des Fürsten Bismarck bei seinen Bestrebungen versicherte, die Grund-