1881
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lagen des sogenannten Unterstützungswohnsitzes zu ändern'), ist nicht bekanntgeworden. Er sprach mit Bismarck über die Frage eines deutschen Heimatsrechtsbereits zu Anfang der sechziger Fahre und zwar von der Annahme ausgehend, daßeine Gleichstellung der Angehörigen der verschiedenen deutschen Staaten in ganzDeutschland die beste Vorbereitung für eine deutsche Einheit sei.
Viel besprochen wurde am 5. April 1881 in Reichstagskreisen eine Äußerungdes Fürsten Bismarck, wonach er in keinem Falle gesonnen wäre, aus dem Ent-wurf über die Reichsstempelabgabeu ^) die Börsensteuer allein zum Gesetz erhebenzu lassen. Es müßten entweder alle einzelnen in der Vorlage enthaltenen Steuernzusammen genehmigt oder zusammen abgelehnt werden. Wenn die Börsensteuerund sonst nichts weiter zu stände käme, so erführen möglichenfalls seine, desKanzlers, Bemühungen um eine allgemeine Steuerreform Widerspruch bei denKlein- und Mittelstaaten, weil diese annehmen könnten, vorläufig wäre dendringendsten Bedürfnissen genügt und weitere Steuergesetzprojekte hätten keineEile. Indessen zeigte sich, daß Bismarck mit dieser Auslassung nur einen Druckauf die Abgeordneten hatte ausüben wollen. Denn als in der That von allenvorgeschlagenen Stempelsteuern nur das Börsengesetz angenommen wurde, wollteer die Verantwortung, daß dieses Gesetz unverabschiedet blieb, nicht übernehmen").
Am Ende unsrer Session wurde der Abgeordnete Freiherr von Stumm-Hal-berg^) reichstagsmüde. Die Beziehungen desselben zu Bismarck reichen bis in dasJahr 1866. Im Frühjahr 1866, als der Krieg gegen Österreich bereits in Sichtwar, ging im Saarbrückenschen das Gerücht, der preußische Fiskus gehe damit um,sich des Besitzes der Saarbrücker Kohlenbecken durch Verkauf an ein internationalesKonsortium zu entledigen, um sich die für einen eventuellen Krieg nötigen Fondszu sichern"). Da unter den mutmaßlichen Erwerbern der fiskalischen Grubenauch Franzosen waren, so bemächtigte sich große Aufregung des Saarbrücker Be-zirks; man befürchtete, daß die französischen Mitbesitzer französische Arbeiterhereinbrächten, und daß Preußen das ganze Geschäft nur vorhabe, um im Falleeiner Abtretung des Bezirks von Saarbrücken an Napoleon wenigstens den Wertder fiskalischen Bergwerke zu retten. Stumm erklärte, zur Beruhigung der Ein-wohner des Bezirks nach Berlin reisen zu wollen; denn da derselbe fortschrittlich
>) Zu vergleichen die Rede Varnbüler's bei Beratung des Gesetzes über den Unterstütznngs-wohnsitz in der Reichstagssitzung vom 25. Mai 1881 (auch als Flugschrift erschienen).
2) Vergl. darüber mein Werk „Fürst Bismarck als Volkswirt", Bd. II., S. 43.
3) Vergl. das Gesetz vom 1. Juli 1881, betr. die Erhebung vom Reichsstempelabgaben,Reichsgesetzblatt S. 185.
4) Freiherr von Stnmm-Halberg, Karl Ferdinand; Geheimer Kommerzienrat, Ritter-gutsbesitzer, Major a. D. zu Halberg und Neunkirchen. Wahlkr.: 6. Reg.-Bez. Trier (Ottweiler-St. Wendel). Reichspartei. — Geboren zu Saarbrücken; evangelisch. Mitglied desAbgeordnetenhauses 1867 — 1870, lebenslängliches Mitglied des Herrenhauses seit 1882.Mitglied des Reichstags 1867—1881 und dann wieder seit 1889. Mitglied des Rhein.Provinziallandtagcs. Kreisdepntierter. Vorsitzender der Saarbrücker Handelskammer. Führte1870/ 71 eine Schwadron schwerer Reiter.
°) Vergl. Schultheß „Geschichtskalender" 1866, S. 167.