1881
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Es wird unter allen Reichstags- und Landtagsabgeordneten kaum einengeben, welcher den Fürsten Bismarck in seinen Bestregnngen, die Landwirtschaftvor dem Niedergange zu bewahren, kräftiger unterstützt hat als Graf MirbachEr ist einer der sachkundigsten und nebenbei geschicktesten, schlagfertigsten parla-mentarischen Vorkämpfer der agrarischen Interessen, außerdem der Verfasser ver-schiedener volkswirtschaftlichen Aufsätze insbesondere auf dem Gebiete der Währungund des Identitätsnachweises.
Im Jahre 1881 versuchte Graf Mirbach die Gegensätze zu überbrücken,welche bis dahin infolge der Äraartikel der „Kreuzzeitung" noch immer be-standen. Zn diesem Behuse legte er unterm 15. März 1881 denjenigen Dekla-ranten aus der Zahl der Steuer- und Wirtschastsreformer, welche sich mit Bis-marck noch nicht ausgesöhnt hatten, nahe, diesen Schritt zu thnn. Das geschahmittelst folgenden Cirknlars^):
Euer p. p. erlaube ich mir nachstehendes ganz ergebenst zu unterbreiten.
Wie Euer P. p. ans dem Einladungsschreiben zu der anfangs Februar statt-sindeudcn Sitzung des Ausschusses der Steuer- und Wirtschastsreformer bekanntist, war es mein dringender Wunsch, den Vorsitz der Vereinigung uiederzulegen.
Einmal erscheint dieser Wunsch doch berechtigt in Anbetracht der Arbeitslast,die ich mehrere Jahre getragen habe, sodann hat mich meine Thätigkeit auf demGebiete der Vertretung der Interessen der Landwirtschaft nicht nur bei den Steucr-nud Wirtschastsresormern und im Kongreß deutscher Landwirte, sondern auchnamentlich im Reichstage und Herrenhause vielfach der öffentlichen Kritik undAufmerksamkeit unterstellt, so daß ich das Los aller Konservativen, die über dasgewöhnliche Maß hinaus für das Interesse ihrer Gesinnungs- und Erwerbs-geuossen eintreten, habe teilen müssen, nämlich das, von de» eigenen Partei-genossen angegriffen und verdächtigt zu werden.
diese Scherze etwas derber Natur. Einst ließ ein Stenograph den Präsidenten die „Quatscherei"(statt Diskussion) fortsetzen. Ein beliebter konservativer Führer war just im Bureau und horchtehoch auf bei diesen und ähnlichen Berolinismen. Als unser Freund, der ihn bei der „Quatscherei"bemerkte, sich entschuldigen will, meint er aber trocken: „Ich bin auch gegen die Fremdwörter!"Gelegentlich schlüpfte aber einmal ein solches übermütiges Wort dem müden Schreiber in dieFeder. So fand ein CentrnmSmann in seiner Rede plötzlich: „Beifall im Vatikan!" der ihnnatürlich, da er nur von des Bureaus Gnaden kam, mit gerechtem Zorn erfüllte; und nurschwer fand sich eine plausible Erklärung, wie der „Vatikan" sich hier an die Stelle des „Ccn-trums" hatte setzen können.
') Graf von Mirbach, Julius; Rittergutsbesitzer auf Sorquitten in Ostpr. Wahlkr.:7. Reg.-Bez. Gumbinnen (Sensburg-Ortelsburg.) Deutsch-konservativ. Geb. am 27. Juni 1839zu Sorquitten; evangelisch. Besuchte die Universitäten Königsberg, Bonn und Berlin 1858bis 1862. Absolvierte 1862 das Auskultatorezamen bei dem königl. Kammergericht zu Berlin.Dann vier Jahre Offizier im 1. Garde-Dragonerregiment, Kreisdeputierter und AmtSvorsteher.Seit 1874 Mitglied des preuß. Herrenhauses auf Grund der Präsentationswahl des altenund befestigten Grundbesitzes in Äthanen und Masuren. Erster Vorsitzender der Vereinigungder Steuer- und Wirtschaftsreformer. Reichstagsabgeordneter 1878 bis 1881 und seit Mai 1886.
2) Vergl. zu demselben die „Post", 1881, Nr. 82, 83, 86, und Schultheß Geschichtskalender,S. 48.
Po sch Niger, Fürst Bismarck u. die Parlamentarier. III.
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