1880
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ein Mmisterpoilefemlle Mistebotcii habe. Da erhob sich der Abgeordnete Lasterund bemerkte, daß eine ersprießliche Wirksamkeit Bennigsen's als Minister nichtmöglich sei, wenn er nicht noch zwei nationalliberale Kollegen erhalten^würde.Es fragt sich, ob Lasker hierbei nicht an sich selbst dachte; Thatsache aber istes, daß Bennigsen hiermit ein Bleigewicht angehängt wurde, das die ganzeKombination schließlich scheitern ließst.
Ans Hessen-Nassau war vr. Thilenins^ der Sezession beigetreten, den diefürstliche Familie früher gern bei sich sah und bei dem die Fürstin Bismarckwährend ihres Aufenthalts in Soden einmal gewohnt hatte. Der Abbruchder persönlichen Beziehungen erfolgte im Anschluß an den Frontwechsel vomFreihandel zum Schutzzoll, den Thilenins nicht mitmachen zu können glaubte,sein Beitritt zur Sezession machte den Bruch unheilbar ^).
Von der großen Verstimmung, die sich auch Bennigsen's in dieser Zeit be-mächtigte, giebt eine Rede Zeugnis, die derselbe in Hannover am 19. September1880 auf dem hannoverschen Parteitage hielt. Über die Steuerpolitik sagte der-selbe hier: „Die stoßweise ausgehende Politik, welche der Reichskanzler auf demGebiete der Steuerfragen verfolgt, hat in der Bevölkerung eine große Beunruhigunghervorgerusen, kein Mensch weiß, wohin alle diese Experimente führen sollen.Auf diesem schwierigen Gebiete, wo man gleichzeitig die Bedürfnisse des Reichsund der Einzelstaaten zu erwägen hat, ist ein planmäßiges Verfahren der Re-gierung nicht zu bemerken, und daher die Unruhe und das* Mißtrauen."
Hermann Wagener meinte, daß Bennigsen kein besonderes Vergnügen daranfand, wie die Spartaner bei Thermopylä noch länger „im Schatten zu fechten".Die Schuld an der fortwährenden Zerbröckelung der nationalliberalen Partei Zkann ihm nicht in die Schuhe geschoben werden. Ihm wäre nichts lieber ge-wesen, als mit den alten Freunden stets Hand in Hand mit dem Kanzler zu
>) Guten Aufschluß müßte über die Varziner Verhandlungen der Abgeordnete von Dietze-Barby geben können, welcher gleichzeitig mit Bennigsen in Varzin weilte. Bei einer entscheiden-den Besprechung Bismarck's mit Bennigsen bat erster« Dietze-Barby, sie beide allein zu lassen,jedoch das Zimmer nicht zu verlassen. Es gewann fast den Anschein, als habe sich Bismarckfür die Unterredung einen Zeugen sichern wollen.
y Thilenins, Georg, Or.mocl., königlicher preußischer Sanitätsrat, praktischer Arzt in Sodenam Taunus. Geboren 19. April 1830 in Rüdesheim a. Rhein (evangelisch). Studierte Berg- undHüttenwissenschaften in Bonn und Berlin, ging 1851 zur Medizin über. Seit 1855 Arzt in Soden,seit 1870 Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses für den Landkreis Wiesbaden, Mitglieddes Reichstags seit 1874. Litterarische Thätigkeit nur fachwissenschaftlich. (Liberale Vereinigung.)
3) Abgeordneter von Saucken-Tarpntschen in einer Wählerversammlung über die Kanzler-krisis und den Fürsten Bismarck („Post" 1880, Nr. 115, S. L). — „Für eine große liberalePartei fehlt unter einem Ministerium Bismarck jeder Wirkungskreis" („Post" 1880, Nr. 197,ans der „Volkszeitnng"). — Der Reichskanzler wird sich nie an die Spitze einer liberalen Re-gierung stellen („Post" 1880, Nr. 207, aus der „Volkszeitung"). — „Fürst Bismarck und diekonservativ-klerikale Partei" („Post" 1880, Nr. 212).
4) 1874 zählte sie im Reichstag >50 Mitglieder, im Jahre 1877 sank die Zahl ans 126,1878 ans 97. Im Juli 1879 waren sodann 13 Mitglieder aus der Partei ansgetreten undhatten nach rechts die Gruppe Völk-Hölder gebildet.