Druckschrift 
3 (1896) 1879 - 1890
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

W Die dritte Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

diese Verhandlungen zu führen und zu sehen, ob sie zu einem glücklichen Resultategelangen können, und bei diesen Verhandlungen war es Herr von Bennigsenselbst, der von Anfang an und ausdrücklich erklärte, daß er ohne zwei politischeFreunde nicht in das Ministerium eintreten wolle. Er selbst, meine Herren, hatdieses von Anfang bis zum Schluß der Verhandlungen sestgehalten und ich glaube,die Geschichte wird ihm die Anerkennung nicht versagen, daß er in dieser Artund Weise seinen Einblick, seine Voraussicht als Staatsmann bewährt hat.Meine Herren! Hat er darin recht gehabt? Vergleichen Sie doch und denkenSie an das Schicksal des Ministers Hobrecht, der dann als Finanzminister- ein-trat und nach 9 oder 10 Monaten, nachdem er mit seinen Vorsätzen gescheitertwar, wiederum aus dem Ministerium austreten mußte. Meine Herren! Beidieser Gelegenheit kann ich mit meinem Freunde Stanffenberg auch das als wahrbestätigen, daß Herr von Bennigsen glaubte, die Verhandlungen schwebten noch,bis die bekannte Sitzung stattfand, in welcher der Reichskanzler zum erstenmal dasTabaksmonopol als sein Zdeal erklärte. Zch erinnere mich ganz deutlich. Ichpräsidierte in dieser Sitzung, und als diese Vorgänge und Reden vorüber waren,kam Herr von Bennigsen zu mir zum Präsidentenstuhl mit folgenden Worten:Forckenbeck, für das Tabaksmonopol können wir doch nicht mitgehen und wirken.Wenn Sie einverstanden sind, dann gehe ich jetzt unmittelbar zum Herrn Reichs-kanzler hin und sage, daß er auf uns nicht mehr zu rechnen habe." Ich sagteihm, ich wäre damit vollständig einverstanden; er ging hin, und nach einer Stundeerzählte er mir, daß mit dem Reichskanzler die Verhandlungen abgebrochen seien.Das kann ich der Wahrheit gemäß hier bestätigen. Ich selbst habe immer andem Gelingen dieser Verhandlungen gezweifelt."

Die Äußerung des Herrn von Stauffenberg, aus welche hier Herr vonForckenbeck Bezug nahm, hatte derselbe in einer zu Erlangen gehaltenen Wahlredegethan. Er sagte dort:Kurz nach dem Austritt Delbrück's aus der Regierunghat sich jene Episode abgespielt, auf welche in neuesten Auslassungen wiederBezug genommeu worden ist, die Verhandlungen mit Bennigsen wegen seinesEintritts in das Ministerium. Bezüglich dieser Unterhandlungen hat Herr vonBennigsen jüngst wieder einige Mitteilungen in Magdeburg gemacht, und diesenMitteilungen gegenüber ist dieNordd. Allg. Ztg." mit der Enthüllung ge-kommen, daß schon im Anfang des Jahres, mehrere Wochen vor dem formellenAbbruch der Verhandlungen, die Absicht, die Unterhandlungen fortzuführen, definitivausgegeben worden sei. Wie überraschend diese Enthüllungen allen Beteiligtengekommen, ist schwer zu sagen. Am meisten überrascht wird Herr von Bennigsengewesen sein, der in der ganzen Sache als ein wahrer Gentleman gehandelt hat.Ich kann die Erzählung des Sachverhalts, die er in Magdeburg machte, alsAugen- und Ohrcnzeuge nur wortwörtlich bestätigen."

Über die Varziner Verhandlungen kann ich auf Grund einer Unterhaltungmit dem verstorbenen Abgeordneten von Sybel noch Nachstehendes mitteilen.In der Fraktionssitzung der nationalliberalen Partei, in welcher Bennigsen überdie Varziner Besprechungen referierte, erklärte derselbe offen, daß Bismarck ihm