1880
87
treten nnd das andrer liberaler Männer ins Ministerium und in die Reichsämterscheiterte, hauptsächlich, wenn auch nicht allein, weil ich es ablehnte, die Verant-wortlichkeit für die Durchführung des Monopols zu übernehmen."
Hierauf brachte die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" einen sichtlich inspi-rierten Artikel, worin es u. a. heißt: „Der Reichskanzler hatte im Dezember 1877die Absicht, Sr. Majestät dem Könige Herrn von Bennigsen für den damals er-ledigten Posten eines Ministers des Innern vorzuschlagen. In dieser Absicht er-suchte der Reichskanzler ihn um persönliche Besprechung, bei welcher sich ergab, daßHerr von Bennigsen geneigt sein würde, in bas Ministerium einzntreten (wenn anchnicht als Minister des Innern), falls mit ihm Herr von Forckenbeck, den er füreinen geeigneten Minister des Innern hielt, einträte und Freiherr von Stausfenbergdas jetzige Reichsschatzamt erhielte. Dieser Plan ist nicht am Tabaksmonopolgescheitert, sondern an sich selbst. Die Kombination war faktisch als „gescheitert"anzusehen, sobald der Ministerpräsident die von ihm gehegte Absicht, Herrn vonBennigsen Sr. Majestät dem Könige als Minister vorzuschlagen, ausgab. Auch wenner sie ausgeführt hätte, hätte die Kombination an der Monopolfrage doch immererst dann scheitern können, wenn der König den Antrag seines Ministerpräsidentengenehmigt hätte. Die Frage, ob dies geschehen sein würde, ist nicht zur Ent-scheidung gelangt, weil der Ministerpräsident zwar bereit gewesen war, Herr vonBennigsen vorzuschlagen, aber nicht Herrn von Forckenbeck, Herr von Bennigsenaber daran festhielt, nicht ohne den Letzteren eintreten zu wollen. In betreffdes Freiherrn von Stausfenberg würde der Ministerpräsident damals wenigerschwierig gewesen sein: die Unmöglichkeit desselben trat erst ans Licht nach derRede, die Herr von Stausfenberg über den § 109 der preußischen Verfassunggehalten hatte, zu einer Zeit allerdings, wo Verhandlungen über die Kombinationüberhaupt nicht mehr stattsanden, weil es weder in der Absicht, noch in derMacht des Ministerpräsidenten lag, Herrn von Forckenbeck ein Portefeuille zuverschaffen."
Herr von Forckenbeck sprach sich bei der Bereisung seines Wahlkreises überdie Ministerkombination von 1877 bis 78 in einer Rede folgenden Inhalts aus:„Als mit Herrn von Bennigsen von seiten des Kanzlers — denn der Kanzlerhat diese Verhandlungen eingeleitet — die Verhandlungen über seinen Eintrittin das Ministerium eröffnet wurden, befand ich mich in Breslau und bin nurauf wiederholte Aufforderung eines Freundes nach Berlin gekommen. Die Ver-handlungen wurden nicht im Kreise der Partei, sondern nur unter ganz wenigenFreunden, fünf bis sechs, geführt. Alle erkannten es als eine höchst bedenklicheFrage an, ob es bei den damaligen Strömungen, die im Volke und die obenherrschten, überhaupt zum Heile des Vaterlandes gereichen könne, wenn in dasMinisterium von der damaligen Gestaltung Männer unsrer Partei einträten undob ein derartiges Ministerium zum Heile des Vaterlandes die Ausgaben, diegestellt wurden, lösen könne. Aber wir sagten uns, wenn die Verhandlungen er-öffnet sind, so ist es die Pflicht, nnd zwar ernste Pflicht politischer Männer,