36 Die dritte Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags
in das Ministerium bezw. als Stellvertreter des Reichskanzlers sei meiner Über-zeugung nach weniger an der Frage der konstitutionellen Garantien für dasStcuerbewilligungsrecht des Reichstags und Landtags gescheitert, als vielmehran der Personensrage, namentlich der Forderung, Herrn von Stausfenberg dasSchatzsekretariat des Reichs znzuwenden. Jene Schwierigkeiten würden bei demdamals auf beiden Seiten vorhandenen guten Willen haben beseitigt werdenkönnen, denn sie seien in der That nicht unüberwindlich. Dagegen solle manerwägen, welche Schwierigkeiten nach allen Seiten der Reichskanzler zu über-winden gehabt haben werde, ehe er es habe wagen können, den als Unitarierbei den mittleren und kleineren Regierungen angesehenen Herrn von Bennigsenzu deni gedachten Posten zu berufen, ohne befürchten zu müssen, durch diese Be-rufung das Vertrauen und den guten Willen dieser Regierungen zu verscherzen,auf deren Unterstützung im Bundesrate er doch angewiesen sei. Er habe dieseBedenken glücklich überwunden und nun sei in letzter Stunde noch die Forderungbezüglich des Herrn von Stausfenberg gestellt, der in Mittel- und Süddeutsch-land ungefähr in demselben Renommee stehe, wie Herr von Bennigsen, nämlichdem eines Unitariers und Preußenfreundes. Er habe sich jetzt fragen müssen,ob er nicht in der That durch die Ausnahme dieses Vorschlages mehr verliere,als gewinne, nämlich verliere: das Vertrauen der verbündeten Regierungen, undgewinne: die Unterstützung der nationalliberalen Partei, aber noch lange nichteine sichere Mehrheit im Reichstage. Ein Korrespondent der „Kölnischen Zeitung"ist so gütig, dies nur für aufgebundene Märchen zu erklären und hinzuzufügen,Herr von Stausfenberg sei nur durch Familienverhältnisse veranlaßt gewesen,seinen Aufenthalt hier in Berlin zu nehmen, — eine Thatsache, die mir sehrwohl bekannt ist und die ich niemals in Zweifel gezogen habe. Dagegen halteich aufrecht: 1) daß die Forderung gestellt war, Herrn von Stausfenberg solledas Schatzsekretariat des Reichs übertragen werden, und 2) daß meiner Über-zeugung nach diese Forderung ans dem von mir angegebenen Grund mehr zudem Scheitern der Verhandlungen beigetragen hat, als die Frage der konstitu-tionellen Garantien. Ich begreife es, daß in demselben Augenblicke, in welchemman den Fürsten Bismarck von liberaler Seite zu verdächtigen sucht, eine groß-artige Reaktion jus Werk setzen zu wollen, und die Mythe lebendig zu erhaltensucht, der Reichskanzler habe die konstitutionellen Rechte der Landtage lahmzulegenbeabsichtigt, und dies sei der Grund des Scheiterns der Verhandlungen — ichbegreife es, daß in diesem Augenblicke meine Kombination jener Seite nicht paßt:aber es liegt nicht in ineinen Gewohnheiten, derartige Dinge bloß auf müßigesGerede hin zu behaupten. Der Korrespondent der „Kölnischen Zeitung" mögealso annehmen, daß meine Auffassung der damaligen Situation der wirklichenSachlage mehr entspricht, als er vielleicht augenblicklich zuzugeben für gut be-findet."
In seiner Magdeburger Rede von 1881 hatte Herr von Bennigsen gesagt:„Kaum 3 Jahre sind es her, daß an meiner Stellung zum Monopol die da-malige Kombination, welche der Reichskanzler selbst ernstlich wünschte, mein Ein-