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3 (1896) 1879 - 1890
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30 Die dritte Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

würde mir als ein parlamentarisches Ereignis keinen Eindruck gemacht haben,wenn ich, wie ich erwarten durfte, die Regierung einig und bereit gesunden hätte,für ihre eigenen verfassungsmäßigen Rechte gegen die Übergriffe des Reichstagseinznstehen. Entmutigend aber wirkt auf mich die Wahrnehmung, daß es meinenfortschrittlichen und sreihäudlerischen Gegnern gelungen ist, durch unwahre Dar-stellungen an mehr als einem deutschen Hofe Anklaug für ihre Bestrebungengegen die Politik zu finden, die ich nach Ew. Majestät Intentionen so führe,wie ich sie verstehe und bisher mit günstigem Erfolge geführt habe. Ich hattein, vorigen Zahre noch geglaubt, daß ich in Bezug ans die Richtigkeit diesermeiner Politik wenigstens des Vertrauens der deutschen Regierungen sicher wäre;ich habe mich aber überzeugen müssen, daß ich im Irrtum war und daß selbstbei den ansehnlichsten und am meisten bei den Wechseln europäischer Ent-wickelung interessierten Dynastien sehr geringe Anlässe hinreichen, um der Be-weguugspartei gegen mein Streben nach Erhaltung und Konsolidierung beizustehen,mir aber, anstatt mir zu helfen, durch Kritik die Arbeit zu erschweren und damitwenigstens so viel zu erreichen, daß eine Arbeitslast, der ich überhaupt nichtmehr gewachsen bin, noch gesteigert wird. Wenn die Zahl meiner persönlichenund politischen Gegner sich mit der Länge der Zeit, während welcher ich nunschon andern Bewerbern cutgegeustehe, notwendig vermehrt, so thut es mir umso mehr leid, daß in demselben Maße meine Widerstandskräfte mit Jahren undKrankheiten abnehmen. Ich kann mich der Besorgnis nicht erwehren, daß diedeutschen Errungenschaften, die unter Ew. Majestät Führung durch die Tapferkeitder Armee erreicht worden sind, durch den Parteikampf in Parlament und Presseunter Konnivenz dynastischer und höfischer Einflüsse schwer geschädigt werden können,namentlich wenn ansteckende Krisen in den großen Nachbarländern ausbrechensollten. Ich würde es für ein hartes Geschick halten, wenn ich Entwickelungen,die ich bekämpfe, die ich aber nicht hindern kann, durch die Fortdauer meinerAnwesenheit im Dienste sanktionieren sollte. Die Besorgnis vor dieser rückläufigenEntwickelung wirkt lähmend auf meine Kräfte.

Daß ich in solcher Lage mich der Geschäftslast nicht mehr gewachsen fühle,ist Ew. Majestät seit Jahren bekannt und insbesondere seit dem Frühjahr 1877.Ich habe dennoch eine Bitte um Entlassung seitdem nicht wieder ausgesprochen,denn diejenige vor 5 Wochen konnte ihrer Natur nach nicht ernsthaft gemeintsein. Ich habe sie nicht ausgesprochen, nicht weil ich mich kräftiger und meinenAufgaben gewachsen fühlte, sondern weil ich mich, nach allem, was vorangegaugcnwar, nicht entschließen kann, gegen Ew. Majestät Willen aus AllerhöchstderenDienst zu scheiden. Ich erlaubte mir unterthänigst im August 1878 Ew. Majestätgegenüber in Gastein auszusprechen, daß ich nach dem, was damals vorgegangenwar, Ew. Majestät gegen Allerhöchstderen Willen den Dienst nicht versagenwürde. Wenn ich mich nun in der Voraussetzung nicht irre, daß Ew. Majestätauch heute meinen Rücktritt aus dem Dienste zu genehmigen nicht geneigt sind,so kann ich mich doch über das Maß meiner Kräfte im Verhältnis zu dem Wider-stand, den ich von allen Seiten erfahre, nicht täuschen, sondern werde in dem Stell-