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3 (1896) 1879 - 1890
Entstehung
Seite
29
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1880

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Versammlung meinen Standpunkt darzulegeu. Wie derselbe sich zu Bennigsenresp. Forckenbeck verhalten wird, muß die Zukunft lehren. Durch dick und dünngehe ich nicht mit Bismarck, obgleich ich (soviel jetzt schon klar ist) mit Forckenbeckund Genossen (Freihandel, Doktrinarismus, Ceutralismus, Negation gegen Steuernüberhaupt, gegen die Militärerhöhung, gegen das Sozialistengesetz u. s. s.) nochweniger als mit Bennigsen gehen kann.

Mit dem Jahre 1880 haben die Tagebuchaufzeichnungen Hölder's ihren Ab-schluß gefunden. Den Plan der Fortsetzung, den er im Jahre 1881 noch hatte,vereitelte die Gcschäftslast, die vom Herbst 1881 an infolge seiner Berufung zumMinisterposten auf ihm ruhte. Hölder hat von da an keinerlei schriftliche Auf-zeichnungen über seine politischen Erlebnisse mehr gemacht. Sein Wunsch, diesin den letzten Jahren seines Lebens in ruhiger Weise zu thun und die frühergesammelten Aufzeichnungen u. s. w. zu sichten und zu verarbeiten, ging nicht inErfüllung. Er starb mitten in der Geschäftslast, die er nie mit Befriedigunggetragen und nur aus Pflichtgefühl und auf Grund politischer Erwägungen über-nommen hatte. —

Das Ergebnis dieser Reichstagssession erfüllte die Opposition mit großerZuversicht. Obwohl die Neichstagswahlen noch über ein Jahr Zeit hatten,glaubte Eugen Richter jetzt schon die Vorbereitung derselben in Angriff nehmenzu sollen. In seiner am 11. Juni 1880 veröffentlichten Kundgebung erhoffte ervon diesen Wahlen eine „entscheidende Wendung", mit andern Worten einenBismarck feindlichen Reichstag; ließen doch — nach seiner von der Mehrheitder Nation allerdings nicht geteilten Auffassung — „die neuesten Vorgänge selbstmanche der taktischen Eigenschaften vermissen, welche früher dem Kanzler zu seinengroßen Erfolgen verhelfen". Eugen Richter wurde jetzt immer mehr der Brenn-punkt der Opposition; in früheren Jahren hatte Bismarck im Parlament manchenStrauß mit ihm durchgefochten; schließlich verlor er die Lust dazu.

„Ich verlasse die Sitzung — soll Fürst Bismarck geäußert haben — sobaldHerr Richter das Wort ergreift, nicht weil ich mir nicht zutraute, seine Redenzu beantworten, sondern weil der oppositionelle Duft, welcher die ganze Personumgiebt, meine Nerven affiziert, und weil er Satisfaktion für eine Grobheit nurdurch gesteigertes Schimpfen zu geben pflegt. Was er sagt, ist mir übrigensWurst im Superlativ; bekehren werde ich ihn nicht, und besiegen wird er michnicht, und so ist es am besten, wenn wir uns gegenseitig von weitem bewundern."

Mit welchen: Mißbehagen übrigens den Fürsten die letzte Reichstags-campagne erfüllte, erhellt ans einem Schreiben, das derselbe unterm 28. Oktober1880 Z an den Kaiser Wilhelm richtete: Der tumnltuarische Versuch, den diePartei des Freihandels unter der Führung Delbrück's und in Rechnung auf dieHilfe des Ceutrums gemacht hat, die von Ew. Majestät im vorigen Jahre müh-sam hergestellte Protektion vaterländischer Arbeit wieder in Frage zu stellen,

st Das Datum steht nach Kohls „Bismarck-Jahrbuch", I. S. 132, nicht sest.