1880
31
vertretungsgesetze die Möglichkeit suchen müssen, die Arbeit sowohl wie die Ver-antwortlichkeit für das Ergebnis derselben andern Kräften zn überlassen. SpezielleAnträge werde ich an Ew. Majestät in dieser Beziehung erst dann richten können,wenn der Verlauf der mit dieser Woche beginnenden Landtagssession sich erst mitmehr Sicherheit übersehen läßt. von Bismarck.
Erinnern wir hier znm Schluß noch an eine Äußerung, welche Bismarck demSenator Schläger in Hannover gegenüber über die ungesunde Parteibildnng imdeutschen Parlament gemacht hat. Als letzterer dem Kanzler die Aufgabevorlegte, dahin zu wirken, daß cs im Parlament bloß zwei Parteien gebe, einekonservative und eine liberale, da habe Bismarck ihn verwundert angesehenund gefragt: „Wissen Sie denn nicht, daß wenn drei Deutsche znsammenkommen,immer vier Parteien vertreten sind, die Lösung einer solchen Aufgabe mithin un-möglich ist!"')
Am 22. Juli 1880 erging aus der Reichskanzlei nachstehendes Schreiben anden Reichstagsabgeordneten, Staatsminister Freiherrn von Varnbüler in SchloßHemmingcn.
Eurer Excellenz beehre ich mich im Aufträge des Herrn Reichskanzlersdie beiden Anlagen zu vertraulicher Kenntnisnahme ganz ergebenst zu über-senden.
Der Herr Reichskanzler würde Ihnen dankbar sein, wenn Sie die Ge-wogenheit hätten, ihm Ihre Ansicht über die darin in Aussicht genommenenG esetzentwürfe mitznteilen.
Genehmigen Eure Excellenz die Versicherung meiner ausgezeichnetstenHochachtung. von Kurowsky.
Die Anlage bildete eine im Reichsamt des Innern ausgearbeitete und demReichskanzler von dem Staatsminister Hofmann unterm 10. Juli 1880 vorgelegteDenkschrift über die Frage der Versorgung erwerbsunfähig gewordener Fabrik-arbeiter. Der Staatsminister Hofmann entwickelte hier das, was die Gesetz-gebung schon bisher auf diesem Gebiet geleistet hatte, und erwähnte die ver-wandten Anregungen, die von dem Abgeordneten Stumm im Reichstag imJahre 1870 und 1880 ausgegangen waren. „Nach der Art, wie Eure Durch-laucht sich gelegentlich über den Stunnn'schen Antrag mir gegenüber ausgesprochen
0 Die „Post", 1880, Nr. 296, S. 2. —Das 5. allgemeine deutsche Turnfest, welches im Sommer1880 in Frankfurt a. M. stattfand, gab Anlaß zn einer Korrespondenz Bismarck's mit dem Abgeord-neten Miguel. Auf die Einladung zum Besuch des Turnfestes erging an den ersten Präsidentendes Centralausschusses des Turnfestes, den Oberbürgermeister vr. Miguel folgendes eigen-händige Schreiben Sr. Durchlaucht: Friedrichsruh, den 12.Juli 1880. Euer Hochwohlgeboreubitte ich, dem Centralausschuß meinen verbindlichen Dank übermitteln zu wollen für die Ein-ladung, die er mir zur Feier hat zugehen lassen. Ich würde derselben um so lieber folgen,als ich den Festort, in welchem ich acht glückliche Jahre verlebt habe, seit einer laugen Reihevon Jahren nicht wieder besuchen konnte und bedauere lebhaft, daß mein Gesundheitszustandmir diese Freude versagt, von BiSmarck.