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3 (1896) 1879 - 1890
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24 Die dritte Session der IV. Legislatur-Periode des Reichstags

Beziehung kalt. Bei Rußland kommen dessen Jahrhunderte alte orientalische Politik,sein Ziel: Konstantinopel und mittelbare oder unmittelbare Leherschung derBalkanhalbinsel, sein Panslavismus, seine Expansionskraft und innere Verworren-heit, bei Frankreich seine seit Jahrhunderten oft erprobte Aggressivpolitik undseine bisherigen erprobten Revanchegelüste in Betracht. — Das sind Dinge, dienicht über Nacht anders werden. — Die Ealkanhalbinsel muß unter deutschemresp. österreichischem Einfluß stehen, soweit sie ihren Halt nicht in sich selbstfinden kann.

Berlin, 3. März 1880. Mittwoch.

Heute Verhandlung in der Gruppe wegen der Zulassung Treitschke's. Eswird unter der Hand ablehnend bereinigt werden. Sein Unitarismns wärebesonders wegen der württembergischen und bayerischen Wähler bedenklich. Römermeinte nachher, ich hätte mich zu scharf ausgesprochen.

Stuttgart, 6. März 1880. Sonntag.

Letzten Donnerstag, abends 5 Uhr, Diner beim Reichskanzler. Es warenetwa 30 Abgeordnete geladen. Von der liberalen Gruppe Schauß und ich.Bismarck gab mir beim Empfang die Hand und erkundigte sich nach unsermLandtag. Bei Tisch saß ich in nächster Nähe des Grafen Wilhelm Bismarck,der sehr liebenswürdig war, von seiner Familie Sommeraufenthalt bei Kissingenund von den Geschenken erzählte, die sein Vater ans der ganzen Welt empfangenu. s. f. Ich entfernte mich etwas früher als die andern, um noch zu dem 8 Uhr-Schnellzug zu kommen, bat den Grafen Wilhelm, mich bei seinem Vater des-wegen zu entschuldigen. Er fand mein Fortgehen natürlich, sagte: „Ich hoffeSie bald wieder bei uns zu sehen", und begleitete mich bis zur Thüre.

Berlin, 16. März 1880. Dienstag.

Unsre Gruppe besteht aus 15 Mann; sie wird von Bismarck sehr protegiert,der gestern vor 8 Tagen 6 Mitglieder derselben bei sich zu Tisch hatte. DerKanzler war äußerst liebenswürdig gegen Schauß. Wir müssen uns hüten, derAnsicht Grund zu geben, als ob wir die Partei Bismarck sans plrrado seien,was man von uns mit Unrecht behauptet.

Am Sonntag Sitzung der Gruppe zu nur 5. Wir besprachen die Situation.Laster ist aus der nationalliberalen Fraktion ausgetreten; werden Forckenbeck,Stauffenberg, Bamberger, Braun folgen? Außer denselben soll sich noch einweiterer linker Flügel von Unzufriedenen bilden. Es rumort auch in der Fort-schrittspartei und bei den Freikonservativen. Vorerst und auf diesem Reichstagwird es aber schwerlich zu neuen Parteibildnngen kommen, und wir haben zunächstkeine Allssicht auf Zuwachs. Bennigsen ist, wie es scheint, mit Bismarck ver-ständigt und dieser ist der Herr der Situation.

Berlin, Donnerstag, 8. April 1880.

Schon in Hof erfuhr ich ans der Reise von Stuttgart nach Berlin vonSonnemann, der auch im Zug war, daß Bismarck wegen einer Abstimmung im