Druckschrift 
3 (1896) 1879 - 1890
Entstehung
Seite
23
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Gruppe resp. Partei. So wählten wir denn per Akklamation Schauß zum Vor-stand, nachdem allseits meine Ablehnung bedauert worden war. Ich bin mitdiesem Gang durchaus einverstauden. Schriftführer wurde Römer. Die vouder Gruppe eiuzunehmeude Haltung, wie ich sie darlegte, wurde genehmigt; alsRaine derselben wurde auf ineinen Vorschlag angenommen: „Liberale Gruppe".Mitglieder sind folgende: Schauß, Römer, Völk, Feustel, Zinn, Vogel, Reutzsch,Fürst Carolath, von Ohlen, Jäger, Servals, Krentz, Klein und ich; 14 wohl-gezählte: 4 Bayern, 2 Württemberg«-, 2 Sachsen, 2 Schlesier, 3 Rheinländer,1 Thüringer. — Behr wird wohl wegen seiner Beförderung zum Reichsgerichts-rat austreten müssen, Bauer (Hamburg) ist schon ausgetreten.'

Mit Sicherheit sind Beitritte nur zu erwarten vou Mosle, Löwe.

Im nationalliberalen Lager treibt es einer Trennung zu. Es müssenschwere Kämpfe stattfinden; es finden täglich Sitzungen statt und es wird Still-schweigen darüber beobachtet. Forckenbeck geht in oppositionellen! Sinne vor.

Gestern wurde gesagt, Wiudthorst habe eine zweistündige Unterredung mitBismarck gehabt; die „Germania" lenkt sogar bezüglich des Sozialistengesetzesein. Die Situation ist ähnlich wie im vorigen Jahr. Bismarck ist Realpolitiker,er will unbedingt Mehrheiten haben. Diese können ihm die Nationalliberalenwegen innerer Zerrissenheit nicht gewähren, somit sucht er sie durchs Centrumzu erlangen.

Gestern hatte ich mit dem Geheimen Legationsrat von Bülow eine Unter-redung wegen Unterstützung der Schulen des deutschen Tempels in Palästina,für die ich auf Anregung von Stuttgart aus im Reichstag eingetreten war.Bülow stellte mir Gewährung einer mäßigen Unterstützung in bestimmte Aussicht.

Berlin, 1. März 1880. Montag.

Heute früh erhielt ich eine Einladung zum Diner bei Bismarck ansDonnerstag.

Um 10 Uhr Sitzung unsrer Gruppe, der nun Mosle beigetreten ist. Fernermeldet sich Treitschke; ich habe große Bedenken gegen dessen Zulassung. Erist entschiedener Unitarier, als solcher in Württemberg verschrieen, und würdeunsrer Sache in Württemberg großen Eintrag thun. Außerdem ist er mir zueinseitig bismarckisch, auch kaum mehr liberal zu nennen (s. seine entschiedeneStellung in der Judenfrage); endlich ein Professor, wie er im Buche steht, aus-geprägter individueller politischer Charakter, der nie recht in den Rahmen einerFraktion sich einstigen, sondern stets seinen eigenen Weg gehen wird. Solcheauf sich selbst stehende, hervorragende Charaktere (wie z. B. auch Mohl) sind vonhöchstem politischen Wert für eine Nation, nicht aber für eine Partei.

Beginn der Beratung über das Militärgesetz. Edle, eindrucksvolle RedeMoltke's. Im ganzen ist die Verstärkung der Militärmacht gewiß notwendigund unsre Gruppe hierin bis etwa aus einen einig. Für mich ist die politischeLage im ganzen nicht, wie sie momentan ist, sondern wie sie sich historisch ent-wickelt hat, maßgebend. Zeitungsartikel und Tagesereignisse lassen mich in dieser