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Die Unterhaltung wurde durch die Meldung eines Kauuuerdieuers, daß csfür den Fürsten Zeit sei, zur Sitzung des Bundesrats zu fahren, abgebrochen.
Zur Orientierung sei noch bemerkt, daß dies preußische Projekt wegen desisolierten Zollanschlusses von Altona und St. Pauli infolge der sich heraus-stellenden technischen Schwierigkeiten später anfgegeben wurde, wodurch die Ver-fassnngsdifferenz in Wegfall kam. Die darauf erösfneten Verhandlungen mitHamburg wegen seines Eintrittes in den Zollverein unter Belastung eines Frei-hafenbezirkes führten bekanntlich zu einem beide Teile befriedigenden Abschluß. —
Die Gegensätze, welche am Schluß der Session zur Beratung des Zolltarifsden Austritt des rechten Flügels der Nationalliberalen verursacht hatten, machtenauch noch in der folgenden Session das Gebälk der verschiedenen Fraktionen er-zittern. Zunächst bildete sich ans der Zahl der ausgeschiedenen Nationalliberaleneine eigene Fraktion. Über diese Parteibildung, die Entwickelung der neuenFraktion, ihr Verhältnis zum Fürsten Bismarck und den andern Parteien istbisher noch so viel als nichts veröffentlicht worden. Um so dankbarer muß mandafür sein, daß sich die Tagebuchaufzeichnungen des Abgeordneten von Hölder stauch über alle diese Fragen mit größter Ausführlichkeit verbreiten. Die be-treffenden Aufzeichnungen haben um deswillen einen großen Wert, weil Hölderinnerhalb der ausgeschiedenen Gruppe neben Schauß als Führer gelten konnte,und weil er auch nach dem Ausscheiden aus der nationalliberalen Partei mitBennigsen und andern gemäßigten Faktoren innerhalb der Fraktion gute Be-ziehungen fort unterhielt.
Stuttgart, den 15. Februar 1880.
Letzten Freitag erfahre ich, daß ich zum zweiten Vizepräsidenten des Reichs-tags gewählt worden bin 2). Heute lehne ich die Wahl ab. Die Gründe liegennahe. Alle Liberalen gaben weiße Zettel ab. Telegramme und Briefe hin undher. Die Sache bewegte mich einigermaßen, meine Aufgabe war mir aber baldklar. Morgen um 12 Uhr geht es nach Berlin zum Reichstag.
Berlin, den 18. Februar 1880. Mittwoch.
Gestern kam ich glücklich hier an. Seit Samstag Gratulationen von allenSeiten wegen der Wahl zum zweiten Vizepräsidenten und ewige Erklärungenmeinerseits, warum ich nicht annehmen könne. Denkende Personen begriffen dieGründe. Ich bemühte mich, die Redaktionen des „Merkur" und der „Landes-zeitnng" zur Darstellung der Sache in letzterem Sinne zu bestimmen, undNeuberg vom „Neuen Tageblatt" erschien noch am Montag während des Ein-packens bei mir und entwarf in meinem Einverständnis ein Artikelchenst. Hierwird mir bestätigt, daß der Vorschlag meiner Person und das Beharren auf
h Vergl. vben S. 7, Note.
2) Zn der Sitzung vom 13. Februar 1880 war Graf Arnirn-Boitzenbnrg zum Präsidentendes Reichstags, Freiherr von Franckenstein zum ersten, von Hölder zum zweiten Vizepräsidentengewählt worden.
h Vergl. die betreffenden Artikel im Stuttgarter „Neuen Tagblatt" vom 17. Februar1880, Nr. 39, und 18. Februar 1880, Nr. 40. 2*