14 Die dritte Session der IV. LegiSlatnr-Periode des Reichstags
für Bremen, Alexander Georg Mösles, nnd richtete überdies an denselben am4. Mai das nachstehende Schreiben:
Ew. Hochwohlgeboren bin ich sehr dankbar für die mir in unsrer neu-lichen Besprechung gegebenen Anregungen. Ich werde die Frage der Surtaxeim Auge behalten; dasselbe Interesse für Deutschlands Rhederei und Schiff-fahrt, welches mich veranlaßt hat, die Seehandclsgesellschaft und ihre Be-ziehungen zu Samoa zu befürworten, wird mich seiner Zeit auch bestimmen,zur Begünstigung der nationalen Flagge und der deutschen Rhederei im Sinneder Surtaxe mit legislativen Anträgen vorzugehen. v. Bismarck.
Mit seinen Bremer Wählern wegen seiner protektionistischen Haltung voll-ständig zerfallen, wauderte Mosle später nach Brasilien aus, wo er bereits ehe-dem bis 1862 etabliert war. Von jetzt ab war er politisch verschollen^).
Am 5. Mai 1880 hatte Bismarck eine Unterredung mit den HamburgischenReichstagsabgeordneten Möringb) und Or. Wolffson Z.
Über diese Unterredung ist bisher nur Dürftiges in die Öffentlichkeit gedrungen.Es hieß, die Audienz sei den Hamburger Abgeordneten von ihrem Kollegen vonSchauß vermittelt worden, um unnütze Interpellationen der Fortschrittspartei imReichstag zu verhindern. Nach einer Lesart hieß es: „Bismarck spielte, stattnachzugcben, den Angreifer, und überhäufte die Abgeordneten mit Vorwürfen.Mit langen Gesichtern kamen dieselben von der Audienz zurück."
Da es sehr wünschenswert erschien, hier einer Mythenbildung vorzubeugen,so ersuchte ich Herrn vr. Wolffson, mir eine authentische Darstellung über denVerlauf der Unterredung zu geben. Auf Grund seiner Erinnerungen bin ich inder Lage, über de» Grund der Besprechung und über ihren Verlauf Nachstehendesmitzuteileu °).
Die Veranlassung gaben die damals beim Bundesrat schwebenden Ver-handlungen wegen Einbeziehung der Hansestädte Bremen und Hamburg in denZollverein. In Bezug auf diese Verhandlungen ist folgendes zu bemerken.
Der Artikel 34 der Reichsverfassnug lautet:
>) Vergl. Bd. II. S. 330.
2) Er hat seinem Leben durch Selbstmord ein Ende bereitet.
3) Möring, Rudolf Heinrich, geboren 23. Juli 1831 in Hamburg, protestantisch. FrüherKaufmann, später Privatmann, Milglied der Hamburger Bürgerschaft. 1869—1878 der Ham-burger Finanzvermaltnng. Mitglied des Reichstags seit 1874. Wahlkreis 1 Hamburg (national-liberal).
1) Wolffson, Zsank, Dr.snr., Mitglied derCivilgesetzgebnngskommission, geboren 19. Jan.1817 (Israelit). Verfasser sehr beachtenswerter juristischer Schriften. Mitglied der konstituieren-den Versammlung in Hamburg seit 1859, Mitglied der Hamburger Bürgerschaft, 1862 und 1863Präsident derselben. Mitglied des Reichstags seit 1871. Wahlkreis 3 Hamburg (national-liberal).
b) Erklärungen des Abgeordneten Wolffson bezüglich der Veröffentlichung des bis dahinsekreten Briefes deS Fürsten Bismarck an den Finanzminister Bitter, ä. ä. 15. April 1880, siehein der „Post" 1880, Nr. 200, 204 und 225.