„mehr oder weniger freiwillig" gouvernementale Presse seit der Auflösung desvorigen Reichstags über Laster hergefallen, in der mit dem äußersten Mißerfolgegekrönten Absicht, ihm seinen Reichstagssitz zu entreißen, von jenen Flegeleienunterscheiden sich Bismarck's Sarkasmen sehr wesentlich, denn diese sind witzigund jene nur grob.
Wenn inan behauptet, der alte Reichstag sei 1878 aufgelöst worden, umLaster verschwinden zu machen, so ist das offenbar zu weit gegangen. Aberaußer allem Zweifel steht es, daß die Offiziellen und Offiziösen den letzten Hauchvon Roß und Mann daran gesetzt haben, um seine Wiederkehr zu verhindern."
Man beachte wohl, daß zu der Zeit, als Braun-Wiesbaden so schrieb, derKanzler Laster bereits nichts mehr recht machen konnte; Bismarck hatte sich jaunterstanden, den Götzen „Freihandel" von seinem Thron herabzustoßen.-
Am 18. März 1880 wurde der Abgeordnete von Helldorff morgens zu Bis-marck gerufen und abends mit einer Einladung zu Tisch beehrt.
Am 18. April 1880 hielt sich derselbe Abgeordnete von 2 bis 3 Uhr beiBismarck auf. In diese Zeit fällt die erste Reichstagsdebatte über Samoa unddie Anfänge der deutschen Kolonisation. Helldorff hatte Schmierigkeiten in derFraktion, Verständnis für diese Aufgaben zu erlangen. Weiter stand zur Be-ratung die Verlängerung der Geltungsdauer des Sozialistengesetzesst.
Im Frühjahr 1880 stand in dem II. Berliner Reichstagswahlkreis eineNachwahl bevor, für welche der Geheimerat vr. Max Duncker als Kandidat aus-gestellt wurde. Bismarck hatte für denselben bereits einmal bei dessen Wahlin den konstituierenden Reichstag eine Lanze gebrochenst. Nun wiederholte sichder Vorgang, indem der Reichtagsabgeordnele Freiherr von Maltzahn am 6. April1880 erklärte: „Ich bin in der glücklichen Lage, dem Vorredner, Hauptmanna. D. Berg sogleich zu antworten. Ich hatte Gelegenheit, mit Seiner Durchlauchtdem Fürsten Reichskanzler wegen der Kandidatur Max Duncker Rücksprache zunehmen, und Seine Durchlaucht hat die Kandidatur nicht bloß genehmigt, sondernauch den lebhaften Wunsch geäußert, Max Duncker zu wählen." —
Die Frage, ob Deutschlands Schiffahrt und Handel gegenüber der durchstaatlicke Mittel begünstigten Mitbewerbung andrer Nationen in gedeihlicherWeise sich werde fortentwickeln können, verdiente nach Bismarck's Ansichternste Erwägung. Als ein in dieser Richtung besonders wirksames Mittel er-schien die Einführung einer Zuschlagsabgabe von Waren außereuropäischen Ur-sprungs nach dem Muster der französischen oder österreichischen snrkaxo ckontropökst.Über diese Frage verhandelte Bismarck im Frühjahr 1880 mit dem Abgeordneten
st Am 4. Mai 1880 Teilnahme Helldorff's an der parlamentarischen Soiree Bismarchs,st Vergl. Bd. II., S. 90.
st Vergl. mein Werk „Fürst Bismarck als Volkswirt", Bd. I., S. 165, 212, 216 und 217,und die „Aktenstücke zur Wirtschaftspolitik des Fürsten Bismarck", Bd. II., S. 157, 153.