Auszug aus der Kaisergeschichte. 321
mir Achtung. besonders aber tugendhaften: Menschen vonoffenem, schlichtem Charakter schichte er, die Gelehrten, wennsie nicht unwürdige Menschen waren, achtete er ungemein.
Er machte großmürhig reichliche Geschenke; seine Mitbürgeroder Männer, die er im Privatnmgang kenne» gelernt hatte,liebte er und belohnte sie mit Ehrenstellen, Geld und andernWoblthaten, namentlich diejenigen, deren thätige Freund-schaft er oder sein Vater in minder glückliche» Verhältnissenerprobt hatten. Jndeß diejenigen Fehler, welche .ans TrajansCharakter einen Schalte» werfen, ich meine, Liebe zum Weinund die Sucht nach Triumphen, verabscheute Theodosins un-gemein. Die Kriege, die er führte, hatte er nicht erregt,sondern vorgesnnden: er verbot durch ein Gesetz zu Gast-mählern Lnstigmacher und Saitenspieleriniien bciznziehen.
Er hatte so hohe Begriffe von Keuschheit und Zucht, daßer die Heirathen mit Geschwistertöchtern als mit Schwesternuntersagte. Seine wissenschaftlichen Kenntnisse waren inVergleichung m t vollkommenen Gelehrten nur mittelmäßig,allein er mar sehr scharfsinnig und verwandte,viel Fleiß ansdie Kenntuiß der Geschichte der Vorzeit. Gegen Männer,von welchen er übermüthige, grausame und für die Freiheitgcsädrliche Handlungen laS: z. B. einen Cinna, Marius,Sulla, so wie gegen alle Despoten, namentlich aber gegentreulose und undankbare Menschen, äußerte er einen'fort-währenden Haß und Abscheu. Sv lelcht Theodoüns überunwürdige Gegenstände zürnte, so bald wurde er wieder be-sänftigt: ein kleiner Aufschub milderte oft einen strengenBeseht von ihm. Es war bei ibm Geschenk der Natur, wasAngnstns einem Lehrer der Philosophie verdankte. Als dieserdie Reizbarkeit des Angnstns bemerkte, gab er ihm, um dentraurigen Folgen seines Zorns vorznbengen, den Rath, wenn jsich der Zorn bei ihm rege, dir viernndzw.anzig Buchstaben chdes Griechischen Alphabets in Gedanken herznsagen, damit ljene augenblickliche Aufwallung durch die Beschäftigung derSeele mit einem andern Gegenstände in Kurzem sich lege. ^