Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
Seite
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die innern Forderungen des Stoffes, in welchem der Bildner seineGestalten wirklich bildet, der Maler sie erscheinen lässt.«*) Imzweiten Sinne bedingt der allgemeine Charakter des historischen,des heroischen, des genrehaften Inhaltes den Stil. Im letztenSinne spricht man von einem malerischen, plastischen, architekto-nischen Stil u. s. w. In den Forderungen des Objects setzt manzwar im Allgemeinen die Forderungen des guten Stils im engernSinne voraus, aber der Gesichtspunct der Gemeinsamkeit liegtnicht darin, und der Stil des Erzes kann auf Marmor, der male-rische Stil auf plastische Werke, der Opernstil auf Kirchenmusikübertragen schlecht werden. Der Gesichtspunct der Gemein-samkeit kann endlich in einem bestimmten Charakter der Formrücksichtslos auf die Natur des Subjects und Objects der Dar-stellung liegen, so, wenn man von einem strengen oder laxen,leichten oder schweren, fliessenden oder gehackten, niedrigen,grossen Stil, Rococoslil, Arabeskenstil u. s. w. spricht.

Allen diesen Specialitäten des Stils gegenüber kann man nunendlich noch einen Gesichtspunct der Gemeinsamkeit darin finden,dass der vorgegebenen Idee durch die Darstellungsweise überdas blosse Bedürfniss der Hichtigkeit oder sach-lichen Angemessenheit hinaus in vortheilhafter Weisegenügt wird. Das giebt den Stil in dem engern Sinne des gutenStils, auf dessen Bedingungen wir unten näher eingehen wollen.

Insofern man nun in diesem engern Sinne unter Stil schlecht-hin einen guten Stil versteht, läge es nahe, unter einer stilisirtenDarstellung schlechthin auch eine Darstellung in gutem Stile zuverstehen;**) aber in der That braucht man hierfür lieber die Be-zeichnung stilvoll oder stilmässig als stilisirt, es sei denn, dassman zu stilisirt ausdrücklich das Beiwort gut fügt, und nur untersolcher Voraussetzung kann vom Stilisiren als allgemeiner Kunst-forderung die Bede sein. Hiegegen hat der Ausdruck stilisirenschlechthin in der Kunstconversation bezüglich der bildendenKunst eine etwas eigenthümliche Wendung angenommen. Gewisswird man von einem Genrebilde verlangen, dass es nicht minderin gutem Stil gehalten sei, als ein historisches Bild; doch von den

*) Italien. Forsch. I. S, 87.

**) Zusammenhangsweiso mit Idealisiren ist Stilisiren wesentlich so aufS. .17 verstanden.

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