Druckschrift 
2 (1898)
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XXVI. Stil, Stilisiren.

Es ist mit Stil wie mit Geschmack. Man spricht von einemschlechten und guten Geschmack; aber in einem engern Sinneversteht man unter Geschmack nur einen guten Geschmack. Manspricht von schlechtem und gutem Stil; aber in einem engern Sinneversteht man unter Stil nur den guten Stil. Man lobt einen Men-schen damit, dass man sagt, er hat Geschmack; und ein Kunst-werk damit, dass man sagt, es hat Stil; gebraucht geschmackvollund stilvoll beide nur in gutem Sinne von Gegenständen des Ge-fallens.

Was aber ist der Stil in dem weitern Sinne, wo noch voneinem schlechten Stil gesprochen werden kann, das Gemeinsamedes Stils in schlechtem und gutem Sinne ?

'T 7 Ich meine, im weitsten Sinne ist Stil eine, aus irgend einemGesichtspuncte gemeinsame, Darstellungsform für eine Mehrheitverschiedenartiger Kunstwerke oder Werke überhaupt. Die Ge-meinsamkeit kann in der Natur des Subjects begründet sein,welche seinen verschiedenen Werken dasselbe Gepräge aufdrückt,den Menschen im Werke wiederfinden lässt, in welchem SinneBüffon sagte: »Le style cest lhomme«, und neuerdings KJrchmann(Aesthetik II. 287) sagt: »Der Stil bezeichnet die künstlerische Be-handlung jener Bestandtheile des Kunstwerkes, welche ihre Be-stimmung nicht aus dem Begriffe und der sachlichen Regel, son-dern nur aus der Persönlichkeit des Künstlers erhalten können...Der Stil ruht sonach immer in der Persönlichkeit des Künstlers.«Jeder Mensch hat in diesem Sinne seinen Stil; und in weiteremSinne hat jede Zeit, welche Kunst treibt, ihren Stil, der gut oderschlecht sein kann; die engere Bedeutung kommt hier noch nichtin Rücksicht. Die Gemeinsamkeit der Form kann ferner durchdie Natur des Objects, sei es seines Stoffes oder seines ideellen Ge-haltes oder der Kunstgattung, der es sich unterordnet, bedingtsein. In erstem Sinne bestimmt der Marmor, das Erz in der Bild-nerei, das Holz, der Stein, das Eisen in der Baukunst ihren Stil,kann man nicht mehr sagen: le style cest lhomme, und erklärtRumohr den Stil »als ein zur Gewohnheit gediehenes sich fügen in