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vorhanden ist, den eigenen Reiz hinzufügen, und wo er nicht vor-handen ist, dem Kunstwerke einen solchen noch geben können.
Im Grunde nun hat der Künstler alle Momente, die zum Ge-fallen an einem Kunstwerke beitragen können, so viel wie möglichzu vereinigen; insofern solche aber auch in Conflict mit einanderkommen können, nur darauf zu achten, dass unlustgebende Mo-mente im Ganzen durch lustgebende überwogen und versöhntwerden.
Nun freilich möchte der philosophische Äesthetiker für dieaufgezählten verschiedenartigen Gesichtspuncte, aus denen einKunstwerk zu schätzen sein soll, — will sagen, nach dem Reizeder anschaulichen Form, dem Reize des daran angeknüpften In-halts, formalen Vorzügen angegebener Art, — einen aus dem Be-griffe der Schönheit oder Kunst abgeleiteten einheitlichen haben;nur dass bisher keiner aufgestellt ist, der eine solche Aufzählungwirklich ersetzte. Noch ist der Stein der Schönheit nicht gefunden,mit dem man, wie mit einem Stein der Weisen, einen Gegenstandnur begrifflich zu bestreichen brauchte, um denselben schön zufinden. Womit nicht gesagt sein soll, dass die obige Aufzählungund Nebeneinanderstellung die zulänglichstmögliche ist; jederÄesthetiker wird seine Foderungen an das Kunstwerk etwas an-ders formuliren, eintheilen und gruppiren; im Wesentlichen wer-den sie immer auf obige herauskommen; niemals aber werden dieVorzüge, aus denen ein Kunstwerk zu schätzen, sich rein und ein-seitig auf Vorzüge der Form oder solche des Inhaltes zurückführenlassen, es sei denn durch entsprechend einseitig gewandte Defini-tionen von Form und Inhalt.
Unstreitig zwar giebt es wirklich einen einheitlichen Gesichts-punct, aus dem sich alle obigen oder sonst irgendwie an das Kunst-werk zu stellenden Foderungen ableiten lassen, es ist der, dasses in seiner unmittelbaren Auffassung ein möglichst reines und einhöheres als blos sinnliches (doch diess nicht ausschliessendes)Wohlgefallen zu erwecken habe; aber dazu giebt es verschiedeneAngriffspuncte im Menschen, die sich noch unter keine zulänglicheund klare Formel habe vereinigen lassen, wenn schon sie sich un-ter erfahrungsmässige Gesetze bringen lassen. Wie man nun auchForm und Inhalt unterscheiden mag, so haben beide ihre Angriffs-puncte im Menschen.