Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
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Mannichfaltigen, und danken der Kunst auch diese Leistung. DasInteresse der Wahrheit würde die Kunst an sich nicht hindern,Alles so wiederzugeben, wie es liegt, aber sie fasst ihre Ideen sound führt sie so aus, dass der Bedingung der einheitlichen Ver-knüpfung alles Einzelnen möglichst genügt wird.

In der Wirklichkeit versteckt sich ferner das Wesentliche ofthinter dem Unwesentlichen, tritt das, an was sich das Interessehauptsächlich knüpft, nicht in das Hauptlicht, bleiben Beziehungen,um die es zu thun ist, unklar; wir erfreuen uns aber der klarenDarstellung eines Bedners, der diesen Mängeln in seiner Darstel-tung abhilft, selbst wenn seine Bede einen Gegenstand betrifft,der uns an sich nicht interessirt, indess uns die unklare Darstel-lung des interessantesten Stoffes abstösst; wie es uns aber miteiner Rede geht, geht es uns mit jedem Kunstwerk.

Noch Eins, was zwar nur nebensächlich ist, doch nicht ver-gessen werden darf. Nach allem, was geltend gemacht wordenist, bewundert man auch den Künstler, der die schwierige undso selten ganz gelingende Aufgabe erfüllt hat, Alles am Werke zueiner vollendeten Leistung zu fügen, und in dieser Bewunderungdes Künstlers liegt etwas, was sich zugleich als Freude an seinemWerke geltend macht. Bewundert man doch sogar Kraftkünstlerund Seiltänzer wegen der Ueberwindung von Schwierigkeiten,die uns als solche erscheinen, und findet Vergnügen in der be-wundernden Anschauung solcher Leistungen, ungeachtet diese ansich zwecklos sind; um so leichter und lieber wird man denKünstler bewundern und Genuss in bewundernder Anschauungseines Werkes finden, wenn die Ueberwindung der Schwierigkeiteinen Erfolg hat, der auch abgesehen von der Ueberwindung derSchwierigkeit uns gefällt; nur muss man im Auge halten, dassdiese Ueberwindung selbst mit zu den Momenten, die gefallen,zählt, und sich mit den andern dazu hilft.

Man sieht jedenfalls, dass mancherlei Momente zum Gefallenan einem Kunstwerke beitragen, die sich nicht klar und einfachnach den Kategorien von Form und Inhalt scheiden lassen. Essind Momente, die in die künstlerische Darstellung jeder Art vonFormen, der hässlichsten wie schönsten, so wie jeder Art von In-halt, des bedeutungslosesten wie erhabensten, eingehen, wederden Beiz der anschaulichen Form noch den Reiz des angeknüpftenInhaltes an sich angehen, wohl aber ihrem Reize, wo ein solcher