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Nachtigall, der Morgenruf des Hahns, das Frühlingsgeschrei derFrösche, indem sich Erinnerungen an das Leben auf Reisen, in denBergen, am Morgen und im Lenze unwillkürlich und unweigerlichdaran knüpfen, ohne dass ein directer Reiz dieser einfachen Klängeoder Modulationen überhaupt oder sehr erheblich in Betrachtkommt; wogegen der Haupteindruck der Sonate und Symphoniedarauf beruht, dass sie die Seele unmittelbar in ästhetische Schwe-bungen durch ihre Tonbeziehungen versetzen. Eine Hütte, dieschmucklos so gebaut und in die Umgebung eingebaut ist, dassalle Associationsvorstellungen, die sie erweckt, zum Ausdruckeeiner uns interessirenden individuellen Gemüths- und Daseinslagezusammenstimmen, ist weit poetischer als ein prächtiger Palast,der Anspruch macht, durch Grösse, Symmetrie und Zierath directzu wirken und nur die sehr allgemeine Association von Reichthumund Würde des Bewohners mitführt.
Aus einem andern als dem vorigen Gesichtspuncte kann dieArchitektur höheren Stils als eine Kunst der Künste gelten*), so-fern sie Plastik, Malerei, Kunstindustrie theils in selbständigenWerken, theils decorativ in sich aufnimmt, ihre Palasträume gernzu Musik, Tanz, Schauspiel, Festen jeder Art, ihre Tempelräumezur religiösen Feier darbietet, und, indess sie einen Rahmen fürall das bildet, zugleich in Garten- und Parkanlagen einen Rahmenfindet, oder den Gipfelpunct oder Zielpunct von landschaftlichenAussichten darstellt, kurz aus gewissem Gesichtspuncte nicht nurum und zwischen allen andern Künsten, sondern auch vermittelndzwischen ihnen, der Natur und dem Leben steht, indess sie frei-lich ohne die andern Künste selbst fast nur als ein Diener derNothwendigkeit erschiene.
Endlich kann man es aus gewissem Gesichtspuncte auch wohlgelten lassen, wenn Manche über allen andern Künsten als diehöchste eine Kunst schön zu leben stellen; nur dass dieAbsicht einer solchen Kunst nicht in gleicher Vollkommenheit zuerreichen ist, als die Absicht der einzelnen Künste in beschränk-terem Kreise, theils weil die Mittel dazu nicht eben so in unsererHand sind, theils weil die, welche es sind, nicht eben so rein aufdiesen Zweck gerichtet werden dürfen. Denn höher als die
*) »Nirgends, — so hörte ich in einem Vortrage über das PerikleischeZeitalter in Griechenland sagen, — ist die Ivunst überhaupt zu einer Blütezeitgelangt, ohne dass die Architektur die Führung übernommen hätte.«