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Leistungsfähigkeit, nicht aber den Begriff nach seiner Leistungs-fähigkeit zu untersuchen; und sollte sich ein Werk schaffen lassen,was unter keine der unterschiedenen Künste ganz unterzubringenist, indess es doch dem allgemeinen Zweck der Kunst genügt, sohätte man nur einen Gewinn darin zu sehen. Freilich besteht dieVoraussetzung, dass die Entwickelung der Kunst durch Jahr-tausende schon zu Normen und Schranken geführt hat, welche zusehr in der Natur der Menschen und Kunstmittel begründet sind,um gefahrlos verlassen zu werden, und dass diese in der bis-herigen Abgrenzung der Künste gegen einander ihren Ausdruckgefunden haben; aber wäre es so, so könnte uns doch der vorge-gebene Begriff einer Kunst nichts zu dieser Einsicht helfen.
Von Manchen wird in einer obersten Zweitheilung der Künstedie Poesie allen andern Künsten als die allgemeinste gegenüberoder übergestellt. Auch kann sie gewisse Ansprüche in dieserHinsicht erheben, sofern sie einerseits durch den direclen Wohllautund Tact des Verses ein gemeinsames Element mit der Musik ge-winnt, anderseits in den Vorstellungen, die sich an die Worteknüpfen, die durch sämmtliche übrige Künste erweckbaren Vor-stellungen bis zu gewissen Gränzen reproduciren kann. Wennman inzwischen gesagt hat, dass jede Kunst nur in so weit Kunstsei, als Poesie darin enthalten sei, so kann man mit dieser Poesienur ein Abstractum aus der wirklichen Kunst der Poesie meinen,und was in diesem Ausspruche treffend ist, dürfte darauf hinaus-laufen, dass eben so wie der wesentliche Eindruck der Poesie aufAssociationsVorstellungen dessen, was den Menschen und über-haupt fühlende Wesen interessiren kann, an ein sinnliches Ma-terial beruht, diess von jeder Kunst gelten solle, trifft aber beiWerken der Musik weniger zu als bei Werken der bildendenKunst, sofern die Musik nach schon früher (im 13. Abschn.) ge-pflogenen Erörterungen wesentlicher durch direkten Eindruckmelodischer und harmonischer Beziehungen als angeknüpfte Vor-stellungen zu wirken hat. Daher findet man auch die Forderung,einen poetischen Eindruck zu machen, seltener auf musikalischeKunstwerke als Werke der bildenden Kunst angewandt. Vielekunstlose Töne sind sogar aus diesem Gesichtspuncte bei viel ge-ringerer ästhetischer Bedeutung doch poetischer als die Sonate undSymphonie, z. B. der Klang eines Posthorns, eines Alphorns, dasGlockengeläute der Herden in den Bergen, der Gesang einer