Druckschrift 
2 (1898)
Entstehung
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als unterstützte, so würde es nicht bei den seltenen Versuchen ge-blieben sein; beim Tanze ein Gemälde zu besehen oder einen Tanzmit einem Gemälde zugleich anzusehen, will nun vollends gar nichtgehen.

Das scheidet sich wie Oel und Wasser von einander. Dochkann man das nicht schlechthin von den Künsten der Ruhe undBewegung überhaupt behaupten. Dass bildende Kunst und Poesieeine gewisse, wenn auch nicht so innige, Verbindung als Poesie undMusik, eingehen können, ist früher (Abschn. XI) besprochen. Vonanderer Seite scheinen sich nicht alle Künste derselben Hauptklassesonderlich zu vertragen, wenigstens will man von gemalten Statuenhöheren Stils nichts wissen; obwohl mir weder die theoretischenoch praktische Frage in dieser Hinsicht erledigt scheint, woraufich in einem späteren Abschnitte zurückkomme. Auch jene Künsteaber, die sich vortheilhaft verbinden können, vermögen es dochnicht auf jede Weise; jeder Tanz, jedes Lied will seine besonderemusikalische Begleitung; es bedarf überhaupt der Accommodation,und dabei nicht selten eines Nachlasses von den jeder Kunst eigen-thümlichen Vortheilen, um vielmehr das, worin sie sich unterstützen,als das, womit sie sich stören, zur Geltung zu bringen und so dochim Ganzen einen Vortheil zu erreichen, den es Schade wäre ver-loren gehen zu lassen. Nun ist ein interessantes Thema derBetrachtung, an welchen Bedingungen es hängt, dass mancheKünste überhaupt sich mit grösserem Vortheile combiniren können,als andere und wie sie sich zu combiniren haben. Das aber gehörtin eine speciellere und sachliche Betrachtung der Künste.

Sehr üblich ist es, den einzelnen Künsten nach einem zumVoraus abgesteckten Begriffe derselben vorzuschreiben, was siedarstellen und nicht darstellen dürfen, und dieses oder jenes Werkzu tadeln oder zu verwerfen, weil es nicht in einen der abge-steckten Begriffe ganz hineintritt. Das aber ist kein richtiger Ge-sichtspunct der Kritik. Nicht darauf kommt es an, dass ein Werkdie Aufgabe dieser oder jener, aus irgend welcher Kategorie ab-gegränzten, Kunst erfüllt, sondern dass es die Aufgabe der Kunstüberhaupt erfüllt, welche auf Erziehung eines unmittelbaren hohemwerthvollen Lufteindruckes gerichtet ist. Alles ist der Kunst er-laubt, was sie zur Erreichung eines solchen Zweckes nur nicht inWiderspruch mit einem allgemeineren oder höheren zu leisten ver-mag. Dazu gilt es, die factischen Mittel jeder Kunst nach ihrer