2 Arabische Sprache u. Literatur.
die Sprache sehr reich. Im Nomen, wie im Pro-uoinen u. Verbum ist der Dual gebräuchlich; derPlural wird entweder durch eine besondere End-ung, oder durch innerliche Umwandlung des Wor-tes gebildet. Der Singular hat 3 Casus mit dersogenannten Nuuatiou (Nasalendung), die denunbestimmten Artikel vertritt, Dual u. zuweilenPlural nur 2. Für die Verba bestehen l3 For-men, welche entweder die Grundbedeutung ver-stärken, oder daraus ein Factitivum, Reciprocum,Passivum u. Dcsiderativnm bilden. Das arabischeVerbum hat 2 Temporalformeu, von denen dieerste, das Perfecmm, eine vollendete, die zweite,das Jmperfectum, eine noch nicht vollendete oderunvollendete Handlung ansdrückt. Durch das Per-sectnm wird auch nach bestimmten syntaktischenRegeln das Präsens, Futurum u. Plusquamper-sectmn ausgedrückt. Von den 5 Modi: Jndicativ,Subjunctiv, Jnssiv, Imperativ u. NoLns snsr-gieus, gehört dem Perfectum nur der Jndicativ an,dem Jmperfectum aber außer dem Jndicativ auchder Subjunctiv, Jnssiv u. Äoäns snsrgions. DerImperativ hat außer seiner eigenen Form, ebensowie das Jmperfectum, noch einen Nockns onerZions.Jede Verbalform besitzt im Activnm, wie imPassivnm ein Participinm (Homsn aZentis) undeinen Infinitiv (istoinsn aotionis), welcher letz-tere in der Grundform des Verbums die mannig-faltigsten Formen hat. Bildungsformen, um dasGeschlecht, den Ort, das Werkzeug, den Werk-meister, die Verkleinerung zu bezeichnen, sindin Menge vorhanden. Der Conrparativ undSuperlativ haben ihre eigenen Formen. DieSatzbildung ist schön und einfach, ohne langePerioden und klar. Kürze, Kraft und Ernst sindHauptcharaktere der a-n Sprache, wenngleich derStil der Schriftsteller sehr verschieden ist, beieinigen, namentlich den älteren, einfach u. schmuck-los, bei den späteren bilderreich u. künstlich. DieSprache des gemeinen Lebens, das Vulgär-Arabische, unterscheidet sich von der classischendurch Weglassung der Endvocale der Wörter, einigeungrammatische Flexionen u. Constrnctionen undmehrere ihr eigcnthümliche Wörter. Gram-matiken, außer Leu nationalen (s. Arab. Lit.) vonLH. Erpen, de Sacy (1. u. 2. Ausg.), Lnmsden,Rosenmüller, Oberleitner, Tychsen, Ewald, Roorda,Petermann u. Caspari, für das Bulgär-Ar. vonHerbin, Caussin de Perceval, Savary, Bellamare.Wörterbücher, außer den nationalen (s. Arab.Lit.), von Golms, Castelli, Meninski, Wilmet,Freytag, Kazimirski, Lane; für das Vulgär-Arab.von Canes, Ellious Bokhtor u. Caussin de Per-ceal, Grangeret de la Grange, Roland de Passy,Wahrmund. Chrestomathien von Jahn, deSacy, Kosegarten, Rosenmüller, Humbert, Freytag,Arnold; für das Vulgär.-Arab. von Bresnier, Wahr-mund, Wolf (arabischer Dragoman).
2) Literatur. I. Im Allgemeinen. Dieideale Geistesthätigkeit der Araber beschränkte sichvor Mohammed neben religiösen u. sittlichen Be-trachtungen auf die mit Gesang und Saitenspielverbundene Poesie, und diese stand bei ihnen ingrößter Blüthe; von Wissenschaften war bei ihnendamals nicht die Rede, denn ihre mit dem Stern-dienste zusammenhängende Astronomie war nicht
über den Standpunkt der Astrologie hinansgekom-men, ihre medicinischen Kenntnisse waren nichtsweniger als wissenschaftlich, n. ihre Geschichte be-stand aus bloßen Geschlechtsregistern ihrer Fa-milien u. Stämme, sowie aus Aufzeichnungen derNamen der Könige und Herrscher, an welche sichhöchstens einige Traditionen knüpften. Die ersteVeranlassung eines wissenschaftlichen Strebens wardie von Mohammed gestiftete, dem Heidenthumentgegengesetzte Religion. Da dieselbe auf denKoran u. außerdem auf die Sunna gegründet war,welche die mündlichen von den Gefährten desMohammed herrührenden Überlieferungen überdas Leben, die Thaten u. Äußerungen des Pro-pheten über religiöse Gebräuche u. sociale Verhält-nisse enthält, so wurden fortan beide, Koran undTradition, der Gegenstand eines besonderen Stu-diums und bildeten für alle folgenden Zeiten dieGrundlage aller wissenschaftlichen Forschungen derAraber. Die nächsten Bemühungen waren aufdie Feststellung u. Sicherung des richtigen Textesdes Koran gerichtet, wodurch zunächst das gram-matische Studium der Sprache geweckt wurde, n.schon in der Mitte des 2. Jahrh. der Hidschra er-blühten zu Basra u. Kufa 2 berühmte Akademien,welche, unter einander wetteifernd, über gramma-tische Fragen beständig im Streite lagen. Derliterarische Aufschwung wurde jedoch in den erstenJahrzehnten durch die streng orthodoxe Haltungu. die vorwaltend kriegerische Richtung des Mo-hammedanismus gehemmt. Eine glücklichere Pe-riode begann mit der Thronbesteigung der Ab-bassiden (750). Die meisten Khalifen waren nunselbst die hervorragendsten Repräsentanten der Li-teratur. Sie räumten die Schranken des Borur-theils hinweg, die den arabischen Geist bisher gegendie Einwirkung des Fremden abgesperrt hatten,und versammelten um sich die Capacitäten allerVölker, besonders griechische u. syrische Ärzte. Al-mansor, Harun al Raschid, Al Mamun u. Mota-wakkel veranlaßten die Übersetzung verschiedenerWerke der griechischen Literatur. Die Araber ver-tieften sich mit regem Eifer in mathematische,naturwissenschaftliche, medicinische u. philosophischeStudien. Diese in ihrer Art erfreuliche Blüthedes arabischen Geisteslebens konnte selbst durch dieim 10. Jahrh. eintretende ungünstige politischeWendung nicht ganz verloren gehen. Inzwischenhatte sich das arabisch-mohammedanische Geistes-leben ein zweites Vaterland in Spanien ge-gründet. DieOmajjadischen Khalifen blieben hinterden Abbasfiden nicht zurück; unter dem Sceptereines Abd al Rahman III. u. Hakem II. schwangsich das Tochterland zu einem Hauptsitze der ara-bischen Bildung empor. Hakem II. gründete inCordova eine Universität, die einen ähnlichen Ein-fluß wie die von Bagdad gewann, u. dazu kamennoch 13 andere spanisch-mohammedanische Akade-mien. Christliche, besonders französische Gelehrtezogen über die Pyrenäen, um an der Quelle ara-bischer Bildung zu schöpfen u. dort namentlich ihremathematischen u. medicinischen Kenntnisse zu er-weitern. Die lateinische Übersetzung des Aristoteles,welche die Scholastiker lasen, stammte großentheilsvon arabischen Gelehrten her; auch empfing diechristliche Poesie der Spanier u. Provenxalen be-