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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
Entstehung
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XXXII. Vorlesung.

Körper selbst entstehen, pflegt man gewöhnlich auch diejenigenFormen des Irreseins zurückzuführen, die sich im Anschlüsse anerschöpfende Einflüsse, namentlich auch an geistige, gemüt-liche und körperliche schwere Überanstrengung anschließen. Mannimmt an, daß in derartigen Fällen die rasch in übermäßigerMenge erzeugten Zerfallsstoffe nicht mehr schnell genug aus demKörper ausgeschieden oder unschädlich gemacht werden könnenund daher ihre verderbliche Wirkung auf die Hirnrinde zu ent-falten Gelegenheit finden. Wenngleich mir diese Frage noch nichtgenügend geklärt zu sein scheint, läßt sich die Möglichkeit der-artiger Vorgänge bei der akuten und chronischen nervösen Er-schöpfung zunächst nicht bestreiten. Dazu dürfte aber jedenfallsnoch die Verarmung der Gewebe an Kraftvorräten kommen.

Außer den Giftwirkungen sind unserem Verständnisse zur-zeit einigermaßen zugänglich wohl nurnoch die gröberen Zerstö-rungen des Rindengewebes durch Blutungen, Zertrümme-rungen, Druck, Abschneiden der Blutzufuhr und ähnliche Schädi-gungen. Vielleicht sind hierher auch die sogenannten Hirn-erschütterungen zu rechnen. Weit weniger klar ist schon dieallmähliche Veränderung der Hirnrinde durch das Alter, die wirals die Grundlage verschiedener Formen geistiger Störung kennengelernt haben. Einmal dürften sich hier im Nervengewebe selbstentscheidende Umwandlungen vollziehen, aber auch Störungendurch Gefäßveränderungen oder sonstige Umwälzungen im altern-den Körper werden wohl mit eine Rolle spielen. Bei der Ver-schiedenartigkeit der klinischen Bilder, die uns die Geisteskrank-heiten des Alters darbieten, ist es gewiß am wahrscheinlichsten, daßauch ihre Entstehungsweise in vielen Punkten voneinander abweicht.

Das Auftreten der körperlichen und geistigen Altersverände-rungen hängt außer von Krankheiten und Lebensschicksalen zumgutenTeile sichervon der persönlichen Veranlagung ab. Auchbei den übrigen Formen des Irreseins ist dieser Umstand vielfachvon erheblicher Bedeutung, um so mehr, je weniger eingreifenddie Schädlichkeit ist, die das Leiden hervorruft. Auf der einenSeite stehen die Gifte, die bei gehöriger Gabe jedes Gehirn über-wältigen, wie groß auch seine Widerstandsfähigkeit sein mag. AmGegenpol finden wir Krankheiten, deren wesentliche Ursache inder persönlichen Eigenart liegt, bei denen also die äußeren Schäd-