Imbecillität, Idiotie.
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Da wir unter dem Namen der Idiotie alle Störungen zusammen-fassen, welche in der ersten Kindheit zur Verblödung führen unddemnach die psychische Entwicklung im Keime unterdrücken,dürfen wir hier nicht von einer einheitlichen Krankheit sprechen.Vielmehr können sehr verschiedenartige Krankheitsvorgänge demklinischen Bilde der Idiotie zugrunde liegen, wenn es uns auch zur-zeit unmöglich ist, sie genügend von einander zu trennen. Tatsäch-lich zeigen die einzelnen Fälle von Idiotie große Abweichungenuntereinander, nicht allein nach dem Grade, sondern auch nach derArt der Verblödung. Vor wenigen Wochen wurde uns ein 12jährigerKnabe zugeführt, der aus einer schwer entarteten Familie stammt.Seine Mutter war lange Jahre in einer Irrenanstalt; der Vater sollzeitweise gestört gewesen sein; ein naher Verwandter endete durchSelbstmord; der Großvater war hochgradig „nervös“. Der Jungeist der 6. unter 8 Geschwistern, von denen die letzten 5 alle unbe-gabt und schwerfällig sein sollen. Er wurde zur rechten Zeit ge-boren, hatte aber von der 4. Woche an sehr häufige Krämpfe, diemehrere Monate lang wiederkehrten, lernte spät sprechen. DieErziehung bot große Schwierigkeiten, da das Kind unbotmäßig,unstet und leicht erregbar war. In der Schule kam der Knabe ganzschlecht vorwärts, wurde für faul und zerstreut gehalten. Wenner wolle, könne er ganz gut, meinten die Lehrer. In der letzten Zeitwar er nicht mehr in die Schule zu bringen, warf sich auf denBoden, wenn man ihn zwingen wollte.
Seit 2 Jahren lief er, sobald er sich unbewacht sah, von Hausefort, blieb zuletzt auch die Nächte aus, trieb sich planlos herum,verbarg sich, kletterte auf Dachböden und in Kellern herum, grubsich Höhlen, aus denen er schließlich beschmutzt und verwahrlostwieder auftauchte. Alle Erziehungsversuche erwiesen sich alswirkungslos; gute Worte machten auf ihn ebensowenig Eindruckwie Schelte oder Hiebe. Auf Ermahnungen antwortete er nur:„Ich mag nicht, will nicht.“ Zuneigung zu seinen Verwandtenzeigte er gar nicht, höchstens zu einem jüngeren Bruder; dagegenspielte er gern mit anderen Knaben. Vielfach lachte er ohne Grundunbändig, einmal eine ganze Nacht hindurch. Der Schlaf war sehrunruhig, die Nahrungsaufnahme wechselnd. Beim Essen benahmsich der Kranke unmanierlich, kroch meist dabei unter den Tisch.Er war sehr reizbar, konnte in ganz sinnlose Wut geraten, zerstörte
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