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XXXI. Vorlesung.
vollkommene Entwicklung der Sprache, die trotz allen Un-terrichtes etwa auf der Stufe eines 3—4jährigen Kindes stehen ge-blieben ist. Wir werden daher berechtigt sein, diesen Fall jenenschwersten Formen des angeborenen Schwachsinns zuzurechnen,die man unter dem Namen der Idiotie zusammenzufassen pflegt.
Auch die Idiotie beruht natürlich auf einer frühen, allge-meinen Schädigung der Hirnrinde. Meist denkt man dabei anEntwicklungshemmungen im Sinne der Mißbildungen; es scheintindessen, daß es sich in der weitaus größten Zahl der Fälle umwirkliche Erkrankungen mit teilweisem Untergange der Rinden-bestandteile handelt. Vielfach vollziehen sich diese Zerstörungenschon vor der Geburt, oft genug aber auch erst im Laufe derersten Lebensjahre. Gröbere Lähmungen brauchen dabei gar nichtaufzutreten. Auch bei unserem Kranken weist die körperlicheUntersuchung außer Steilheit des Gaumens keinerlei erwähnens-werte Störungen auf. Dagegen ist ein Zeichen der Hirner-krankung zurückgeblieben, das vielfach beobachtet und als un-günstig für die weitere Entwicklung des Zustandes betrachtet wird,das sind epileptische Anfälle. Dieselben bestehen bei demKranken schon seit der Kindheit und sind auch bei uns etwa alle4 Wochen einzeln oder in kleinen Gruppen beobachtet worden.Zwischendurch traten öfters Zustände von ängstlicher Erregungund zorniger Gereiztheit auf, in denen der Kranke fürchtete, um-gebracht zu werden, laut schrie, fortdrängte, gewalttätig und un-gebärdig wurde. Bisweilen stellten sich solche Zustände, die denAnlaß zu seiner Verbringung in die Klinik gaben, auch nachts ein,gingen in der Regel aber nach einigen Stunden wieder vorüber.
Das Leiden unseres Kranken ist seinem Wesen nach unheil-bar. Was durch die Erziehung erreicht werden konnte, ist wohlbei ihm erreicht worden. Zu einer selbständigen Stellung imLeben ist der Kranke nicht fähig, doch wird es möglich sein, seinebescheidenen Kräfte in einem Anstaltsbetriebe immerhin in ge-wissem Umfange zu verwerten. Die begleitende Epilepsie läßtallerdings befürchten, daß im Laufe der Zeit möglicherweise nochein Rückgang der geistigen Leistungen eintritt *).
* Der Kranke befindet sich seit 5 Jahren unverändert in einer Pflege-anstalt.