Krankhafte Verbrecher und Landstreicher.
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jeder vermeintlichen oder wirklichen Benachteiligung beschwerter sich und weiß meist in sehr geschickter und wirksamer Weiseseine Rechte geltend zu machen, indem er sich auf die Verfassung,die Gesetze, allgemeine Rechtsnormen und die Gebote der Sittlich-keit beruft. Er ist dabei von großer Hartnäckigkeit und erklärt,daß er sich nicht unterdrücken lasse, Beschwerde einlege und sichauf jede Art verteidige; „wenn ich deshalb von irgend jemandschikaniert werde, wenn ich was getan habe, dann können Sie michstrafen, auch gerichtlich, aber extra ausgesucht schlecht behandelndeshalb, weil ich mich beschwere, das heißt, weil ich mein Rechtsuche und mich nicht unterdrücken lasse, das lasse ich mir wiedernicht gefallen; das tut nicht gut.“ Eine ganze Reihe solcher, in sehrentschiedenem Tone gehaltener, mit spitzigen Wendungen ausge-statteter Eingaben richteten sich gegen seine letzte Überweisung indas Arbeitshaus und gegen die dortige Behandlung durch Beamteund Arzt. Diese Eingaben wurden Anlaß zu seiner Verbringungin unsere Klinik, da man ihn als an Paranoia leidend betrachtete.
Bei uns verhielt er sich zunächst sehr zurückhaltend, brachteallerlei hypochondrisch gefärbte Klagen über sein Befinden vor,während sein körperlicher Zustand nur eine gewisse Anämie dar-bot. Er begann bald, sich mit Eifer zu beschäftigen, schrieb sichGedichte ab, machte sich Auszüge aus einem psychiatrischenLehrbuche, das ihm ein Mitkranker verschafft hatte, und lieferteuns ausführliche Schilderungen seines Lebens. In denselben heißtes u. a.: „In meiner Jugend bis zu einem Alter von 24 Jahren habeich mich von Trieben sinnlicher Empfindungen vollständig beherr-schen lassen, so daß dieselben die Quelle meiner Ausschreitungenbildeten, ohne daß ich deshalb damals für moralische Grundsätzebesonders unzugänglich war. Meine Handlungen waren die Er-gebnisse meiner momentanen Stimmung. Wenn ich nach mora-lischen Grundsätzen würde gehandelt haben, wären die bösenRegungen in mir zwar unterdrückt worden, aber meine damalsschon oft schwierigen Verhältnisse würden ein längeres Duldenveranlaßt haben, ohne meine Lage zu verbessern. Daher empfandich keinen Reiz zu besseren Handlungen. Mein Temperament warund ist noch leicht erregbar, und ich konnte Unangenehmes inmir schwer unterdrücken und beherrschen. In meinem Leben sindoft Züge von aufbrausender Leidenschaftlichkeit zu finden, ein
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