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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XXX. Vorlesun

zähes Festhalten an Neigungen, Ansichten und Empfindungen, sodaß dieselben zur Gewohnheit werden und manche Eigentümlich-keit entsteht.Zugeben muß ich, daß geringe Ursachen mich oftlängere Zeit unnötig ärgern und aufregen, ebenso, daß ich aus den-selben mitunter ganze Tage verstimmt bin.

In seinem äußeren Verhalten war er immer vollkommen ge-ordnet, ruhig und höflich, aber kalt und wenig zugänglich, auchgegenüber anderen Kranken. Über das Benehmen der Wärterführte er unter genauer Angabe von Einzelheiten Beschwerde,stand ihnen feindselig und mißtrauisch gegenüber.

Die Selbstschilderung, die er uns gegeben hat, zeigt uns deut-lich, daß die Gründe für das Scheitern dieses Lebensschiffes nichtin ungenügender Verstandesbegabung gesucht werden dürfen. Erselbst gibt seiner Genußsucht und dem Mangel an Selbstbeherr-schung, die ihn nichtnach ellenlangen Grundsätzen handeln ließ,die Schuld. Dennoch gehörter keineswegs zu den haltlosen Augen-blicksmenschen, die sich einfach vom Zufall treiben und bestimmenlassen. Das tritt namentlich in der Zähigkeit und Nachdrücklich-keit hervor, mit der er sich gegen jede Beeinträchtigung auflehnt.Darum ist er auch keineswegs leicht beeinflußbar, sondern unzu-gänglich und widerspenstig. Ja, er hat sich in entschiedenenGegensatz zu der herrschenden Gesellschaftsordnung gestellt, dieer für sein verfehltes Leben wesentlich mit verantwortlich macht;er fühlt sich mit einer gewissen Genugtuung als Märtyrer, den manungerechter Weise verlästert und mißhandelt.

Spricht aus dieser Auffassung, in der von eigentlicher Reuekeine Spur zu finden ist, ein erhöhtes Selbstgefühl, so überraschtferner der ganz merkwürdige Gegensatz zwischen dem scharfen,eindringenden Verständnisse seiner ganzen Lage und der tiefen Un-fähigkeit, die Erkenntnis in Taten umzusetzen, nicht, weil derWille an sich schwach und schwankend wäre, sondern weil an-scheinend sittliche Beweggründe nicht auf ihn zu wirken vermögen.Der Wunsch, sich aus dem klar erkannten Elend herauszuarbeiten,hat bei ihm offenbar niemals die leidenschaftliche Stärke erlangt,mit der die echte Reue den Willen antreibt; die Sehnsucht nachFreiheit, selbständiger Lebensstellung, Achtung bei seinen Mit-menschen ist nicht imstande gewesen, ihn zur Unterdrückung augen-blicklicher Gelüste und zu nachhaltiger Anspannung seiner Kräfte