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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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Morphinismus; Kokainismus.

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düngen im übrigen Körper, die wohl nur auf den Morphiumhungerzurückzuführen sind. Das Gedächtnis und die Verstandesleistungendes Kranken zeigen keine Störung; auf gemütlichem Gebiete istvielleicht eine gewisse Wehleidigkeit zu bemerken.

So wenig die Krankheitserscheinungen beim dauerndenMorphiummißbrauche zunächst ins Auge fallen, so folgenschwerist das ganze Leiden doch für den Betroffenen. Wir wissen vonder psychischen Wirkung des Morphiums aus Versuchen bishernur soviel, daß es anscheinend den Gedankengang erleichtert,dagegen die Auslösung von Willensantrieben erschwert, also denWillen lähmt. Diese letztere Wirkung tritt im Bilde des chronischenMorphinismus auch klinisch in den Vordergrund. Die Krankenwerden schlaff und verlieren ihre Tatkraft, ihre Ausdauer undArbeitsfreudigkeit und werden dadurch in ihrer gesamten Lebens-tätigkeit auf das schwerste geschädigt. Dazu kommt der fortwährendeWechsel zwischen der geistig anregenden Wirkung der einzelnenMorphiumgabe und den sich nach wenigen Stunden einstellendenEntziehungserscheinungen, die in peinlicher innerer Unruhe,Angstgefühlen, ferner in Gähnen, Niesen, Durchfällen, Schweißen,Herzklopfen sowie mannigfachen quälenden Empfindungen be-stehen und mit großer Gewalt zu neuer Einfuhr des Giftes drängen.Endlich bildet sich auch regelmäßig eine erhöhte Empfindlichkeitder Kranken gegen alle Schmerzen und gemütlichen Erschütterungenheraus, die sie schon bei verhältnismäßig sehr geringfügigemAnlasse zur Spritze greifen läßt. Auf diese Weise wird das Mor-phium unfehlbar zum Mittelpunkte der gesamten Lebensinteressen,dem sich alle anderen Rücksichten unterordnen; es entwickelt sicheine vollkommen sklavische Abhängigkeit von dem Mittel,die ein Siechtum des Willens bedeutet. Dazu gesellen sich Schlaf-losigkeit, Rückgang der Ernährung, Herabsetzung der körper-lichen Widerstandsfähigkeit, Versiegen der geschlechtlichen Lei-stungen.

Leider ist es ungemein schwer, dieses verhängnisvolle Leidenwieder zu beseitigen. Zunächst haben wir natürlich das Morphiumzu entziehen, was sich ohne wesentliche Schwierigkeiten fast immerim Laufe von 23 Wochen durchführen läßt. Plötzliches Abbrechender Morphiumzufuhr ist wegen der dabei vorkommenden Kollapsegefährlich. Da die Kranken meist ihre Gabe höher nennen, als sie