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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
Entstehung
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184 XVII. Vorlesung. Verschiedene Formen der Wahnbildung.

selbst überlassen war und wieder trank. Seit mehreren Jahrenschon traten immer deutlicher die Erinnerungsfälschungen hervor,zunächst in der Vermischung von Wahrem und Falschem bei seinenErzählungen, dann in ganz freien Erfindungen. Die Entwicklungvon Wahnbildungen im Anschlüsse an die Erinnerungsfälschungenführte endlich zur Verbringung in unsere Klinik.

Wie Sie sehen, ist die Entstehungsweise und die klinischeBedeutung der Wahnvorstellungen hier eine ganz andere, als inallen bisher betrachteten Fällen. Auch diese Erfahrung möge Siedavor warnen, den diagnostischen Wert jenes Krankheitszeichenszu überschätzen. Allerdings läßt sich nicht verkennen, daß zwarnicht die Tatsache der Wahnbildung an sich, wohl aber ihre be-sondere klinische Gestaltung vielleicht einen Schluß auf das Wesendes vorliegenden Krankheitsfalles zuläßt. Erinnert uns das völliggeordnete Verhalten und die tadellose Haltung unseres Krankenetwa an die Paranoia, so widerlegt sich diese Vermutung doch baldangesichts der Unbeständigkeit und Verschwommenheit der Wahn-bildungen, die das Verhältnis des Kranken zu seiner Umgebungauffallend wenig beeinflussen, obgleich sie im Augenblicke mitgrößter Bestimmtheit vorgebracht werden. Sie ähneln in dieserBeziehung eher denjenigen der Paralyse oder der Dementia praecox,doch fehlen eben wieder die kennzeichnenden körperlichen Stö-rungen einerseits, die Absonderlichkeiten in Handeln und Benehmenandererseits. Wir haben hier nicht die Lähmungen, aber auch nichtdie weitgehende geistige und gemütliche Verarmung und den fort-schreitenden Verlauf der Paralyse zu verzeichnen, während wieder-um die Störung der Merkfähigkeit weit stärker ist, als in derDementia praecox. Diese Unterschiede sind deswegen besonderswichtig, weil in jenen beiden Krankheiten gelegentlich Erinnerungs-fälschungen zur Beobachtung kommen, die zwar weniger ausgeprägtzu sein pflegen, aber sonst den hier geschilderten sehr ähnelnkönnen.

Die polyneuritische Geistesstörung ist bei uns nicht geradeeine häufige Krankheit, wenn sie auch vielleicht öfters übersehenwerden mag. Wie es scheint, handelt es sich bei ihr um eine Gift-wirkung auf die Hirnrinde. Bisweilen ist Tuberkulose, fast immerAlkoholismus voraufgegangen. Ein Teil der Fälle kommt nacheiner Reihe von Monaten zur Genesung; bei anderen entwickelt