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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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Verschiedene Formen der Wahnbildung.

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Den Schlüssel zum Verständnisse dieses äußerst merkwürdigenKrankheitsbildes liefert uns die körperliche Untersuchung. Dabeistellt sich nämlich heraus, daß die Muskulatur der Arme und Beineganz auffallend schlaff und leistungsunfähig ist, doch ergibt dieelektrische Prüfung keine Entartungsreaktion. Dagegen zeigen dieMuskeln eine auffallend hohe mechanische Erregbarkeit. Zugleichsind sämtliche Nerven an den zugänglichen Punkten auf Drucksehr empfindlich. Die Kniesehnenreflexe sind erloschen; beimStehen mit geschlossenen Augen tritt deutliches Schwanken auf,ebenso bei raschen Kehrtwendungen. Die gespreizten Finger zitternstark. Sonst sind keine bemerkenswerten Störungen nachweisbar,insbesondere nicht an den Pupillen oder an der Sprache und Schrift.Dieser Befund weist uns darauf hin, daß hier eine Polyneuritisbestanden haben muß. Wir wissen aber durch Korssakoff, daßbei dieser Krankheit psychische Störungen Vorkommen, die haupt-sächlich durch das Auftreten sehr ausgebildeter Erinnerungs-fälschungen gekennzeichnet sind.

In der Tat lehrt uns die Vorgeschichte des Falles deutlich, daßwir es hier mit einer derartigen polyneuritischen Geistes-störung zu tun haben. Der ursprünglich gut begabte, vielleichtvon Seite des Vaters etwas belastete Kranke machte vor 10 Jahreneine Lungenentzündung durch, die sehr langsam zur Lösung kam.In der Genesungszeit wurde er an stärkeren Alkoholgenuß gewöhntund erkrankte späterhin an einer Polyneuritis; wahrscheinlich be-stand auch Lues, deren Erscheinungen durch eine Jodkaliumbe-handlung gehoben wurden. Die neuritischen Störungen schwanktenzunächst, wurden aber allmählich unter immer stärker sich aus-bildendem Alkoholmißbrauche schwerer, so daß der Kranke inseinem Berufe sehr häufig behindert war. Schon bald nach demBeginne des Leidens ließ sich eine leichte Urteilsschwäche bei ihmerkennen, insofern ihm völlig die Einsicht in die Tragweite seinesZustandes fehlte. In den letzten Jahren traten dazu Willensschwächeund Vergeßlichkeit. Er war unfähig, sich vom Alkohol fernzuhalten,wußte anscheinend auch gar nicht mehr recht, wieviel er trank.Vor 3 Jahren entwickelte sich vorübergehend ein deliriöser Zu-stand. Bei längerer Entziehung des Alkohols pflegten sich alle Er-scheinungen rasch bis auf einen gewissen Rest zu bessern, kehrtenaber bald in verstärktem Grade wieder, wenn der Kranke mehr sich