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XVII. Vorlesung.
während andere verblassen und verschwinden. Nicht seiten läßtsich die Anknüpfung an bestimmte äußere Anregungen erkennen.So erweckte die Vorstellung eines neuen Arztes in dem Krankensehr bald die Erinnerung daran, daß er demselben früher schonda oder dort begegnet sei, daß dessen Eltern vor Jahren in seinerNähe gewohnt hätten und ähnliches.
Es ist begreiflich, daß die wirklichen Erinnerungen bei dieserschweren Störung nur sehr unklar und schwach sein können.Man kann sich bei dem Kranken auch leicht überzeugen, daß erschon nach wenigen Stunden den Inhalt einer früheren Unterredungvollständig vergessen hat. Er erzählt und schreibt daher auch viel-fach zu wiederholten Malen dasselbe, weil er nicht mehr weiß, daßes schon einmal geschehen ist. Auseinandersetzungen haften nursehr kurze Zeit. Beim ärztlichen Besuche vergißt der Kranke ganz,daß er selbst den Arzt hat rufen lassen, um von ihm seine Entlassungzu fordern; er vergißt, wohin er gestern gegangen oder gefahrenwar, ob er sich schon gewaschen hat, wieviel er geraucht hat, ob ergut oder schlecht schlief und aß, wiederholt deswegen bisweilenalltägliche Verrichtungen mehrfach. In besonderen, darauf ge-richteten Versuchen ließ sich zeigen, daß er von Worten, die er sichmerken sollte, schon nach einer halben Stunde nicht mehr denvierten Teil wiedergeben konnte, während Gesunde von gleichemBildungsgrade in dieser Zeit kaum ein einziges Wort vergessen.
Andererseits haften bei ihm die falschen Erinnerungen nichtweniger, vielleicht noch fester, als die richtigen. So blieb der Krankeeine Zeitlang vormittags im Bette liegen mit der Behauptung, daßes ärztlicherseits vorgeschrieben worden sei. Alle derartigen Er-innerungsfälschungen tragen für ihn den Stempel vollster Gewiß-heit; er wird mißtrauisch, wenn man ihn davon abzubringen sucht,und vermutet dahinter geheime Beweggründe, deren Verständnisihm gewöhnlich bald durch neue Erinnerungsfälschungen eröffnetzu werden pflegt. Indessen beherrschen die Wahnbildungen denKranken immer nur für einige Zeit und treten dann wieder in denHintergrund; sie schließen sich nicht etwa zu einer Weltanschau-ung zusammen. Der Kranke bleibt auch den Ärzten gegenüberimmer höflich und liebenswürdig, obgleich er sich für völlig ge-sund hält und durchaus nicht begreifen kann, warum man ihnnicht entläßt.