Verschiedene Formen der Wahnbildung.
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Zunge wird stoßweise vorgestreckt. Die Kniesehnenreflexe sindvöllig erloschen; der Gang ist sehr unsicher, ataktisch; beim Stehenmit geschlossenen Augen tritt starkes Schwanken ein. Die Schmerz-empfindlichkeit ist herabgesetzt, die Lokalisationsfähigkeit schlecht.Die Sprache ist undeutlich, schmierend.
Dieser Befund macht es uns sofort klar, daß wir es mit einerprogressiven Paralyse zu tun haben, deren Begleiterscheinunghier nur ganz andersartige, mit Sinnestäuschungen einhergehendeWahnvorstellungen bilden, als wir ihnen früher bei dieser Er-krankung begegnet sind. Wenn man will, so kann man die Ur-sache dieser eigenartigen Gestaltung in einer stärkeren Beteiligungder Sinneszentren an dem Krankheitsvorgange suchen; man hatwenigstens die Ansicht ausgesprochen, daß die Parästhesien undSchmerzempfindungen bei Rückenmarkserkrankungen dem Wahneder körperlichen Beeinflussung zugrunde liegen könnten. DieVorstellung, geblendet zu werden, ließe sich auf krankhafte Blitz-empfindungen in den Sehnerven zurückführen, die gerade bei denmit tabischen Zeichen einhergehenden Formen der Paralyse häufigin Mitleidenschaft gezogen werden. In unserem Falle hat sichleider eine beginnende Sehnervenatrophie weder nachweisen nochausschließen lassen, da der zufällige Befund markhaltiger Nerven-fasern die Beurteilung zu sehr erschwerte. Bemerkenswert istbei dem Kranken die geringe Störung des Gedächtnisses, sein gutesRechnen, da wir sonst gerade auf diesem Gebiete die ersten auf-fallenderen Krankheitszeichen auftreten sehen. Diese Erfahrunglehrt uns wie so manche andere, daß wir niemals auf das Vor-handensein oder Fehlen eines einzelnen Zeichens für die Diagnoseallzu großes Gewicht legen, sondern immer das Gesamtbild imAuge behalten sollen.
Aus der Vorgeschichte des Falles ist zu bemerken, daß derKranke angeblich aus gesunder Familie stammt und ein regel-mäßiges Leben ohne Ausschweifungen führte. Er gibt zu, vor20 Jahren einen Tripper gehabt zu haben, stellt aber luetischeAnsteckung in Abrede. Seiner Ehe entstammen 2 gesunde Kinder.Seit 5 Jahren entwickelten sich bei ihm allmählich die Zeichender Tabes, insbesondere Gürtelgefühl, Ataxie, Blasen- und Mast-darmstörungen, Impotenz. Vor einem halben Jahre begann ererregt zu werden, auch in geschlechtlicher Beziehung, trank mehr