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XVII. Vorlesung.
und wurde dadurch noch reizbarer, glaubte, man verfolge ihn,wolle ihn vergiften, verschleudere sein Geld. Schließlich floh erunter Mitnahme seiner Papiere aus dem Hause, verlangte die so-fortige Ehescheidung, wurde dann ins Krankenhaus gebracht, woer sehr wenig schlief, auf seine Frau schimpfte, zerriß und un-reinlich war. Von da kam er in die Klinik, beruhigte sich ziemlichrasch, hielt aber an den alten Wahnvorstellungen fest, die er Ihnenja auch jetzt vorgetragen hat. Einmal wurde ein kollapsartigerZustand, Schwindel, Blässe, sehr kleiner Puls, beobachtet, derwahrscheinlich als ein leichter paralytischer Anfall gedeutetwerden mußte. Das Körpergewicht stieg zunächst an, ist jedochjetzt wieder in langsamem Sinken begriffen*).
Daß die Erscheinungen einer Tabes der Entwicklung desparalytischen Krankheitsbildes längere Zeit, sogar viele Jahrehindurch, vorangehen, ist keineswegs selten. Man pflegt dieseForm der Paralyse als „ascendierende“ oder Tabesparalyse zubezeichnen. Ob die diesem Namen zugrunde liegende Vorstellung,daß die Krankheit gewissermaßen vom Rückenmarke zum Gehirneaufsteigt, richtig ist, erscheint ziemlich zweifelhaft. Wir sind sogarnoch nicht einmal sicher, ob die Tabes, die später mit paralytischenStörungen endigt, mit der gewöhnlichen Form der Rückenmarks-schwindsucht wesensgleich ist. Da die Paralyse regelmäßig mitRückenmarksveränderungen einhergeht, die sich bald mehr in denHintersträngen, bald mehr in den Seitensträngen ausbreiten, sokönnte die paralytische Hinterstrangerkrankung recht wohl einmaldie klinischen Zeichen der Tabes hervorbringen, ohne daß dochder Krankheitsvorgang in beiden Fällen derselbe wäre. In klinischerBeziehung ist mir aufgefallen, daß sich bei der ascendierendenParalyse die tabischen Zeichen wesentlich auf Fehlen der Sehnen-reflexe, Miosis, reflektorische Pupillenstarre und Sehnervenatrophiezu beschränken pflegen, während die übrigen Störungen, namentlichauch die schwerere Ataxie der Beine, das Schleudern, entweder ganzfehlen oder doch weit schwächer entwickelt zu sein pflegen, alsbei der gewöhnlichen Tabes. Andererseits besteht zwischen derTabes und der Paralyse ohne Zweifel eine sehr nahe Verwandt-
*) Der Kranke ist 6 Jahre nach Beginn der tabischen Zeichen zugrundegegangen.