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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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172 XVI. Vorlesung. Paranoide Formen der Dementia praecox.

bei ihrer klinischen Deutung das Hauptgewicht auf die feststehen-den Wahnbildungen zu legen und sie demgemäß der Paranoia zu-zurechnen. Mir scheint indessen der eigenartige Schwachsinnder Kranken, der vollkommen demjenigen bei der Dementia praecoxentspricht, für die Auffassung des Krankheitsbildes maßgebender zusein. Die gemütliche Stumpfheit und der Verlust der geistigenRegsamkeit, die Andeutungen von Befehlsautomatie und Negativis-mus, die Manieren im Benehmen, die gezierten Redewendungensind ja Zeichen, die wir bei jener Krankheit zur genüge kennengelernt haben. Andererseits treffen wir auch dort die hartnäckigenGehörstäuschungen und namentlich den Wahn der Beeinflussungdes Körpers und des Denkens so häufig an, daß wir die stärkereAusbildung dieserStörungen hier nur aisgradweise, nicht als grund-sätzliche Abweichung von den gewöhnlichen Fällen der Dementiapraecox ansehen möchten.

Von dem Bilde der Paranoia dagegen unterscheidet sich derhier vorliegende Zustand nach verschiedenen, sehr wesentlichenRichtungen hin. Die Wahnvorstellungen sind von vornherein ganzunsinnig; sie werden geistig nicht verarbeitet. Die Kranke fühlt garkein Bedürfnis, sich Einwände zu machen, sie zu widerlegen, einklares Bild von den Personen, Hilfsmitteln und Beweggründender Verfolger zu gewinnen. Wichtige Einzelheiten, wie z. B. diePersonen der Verfolger, wechseln ganz willkürlich. Es findet wohleine Wandlung, aber kein eigentlicher Ausbau des Wahnes statt, dersich nicht zu einer geschlossenen Weltanschauung entwickelt,sondern in Form von abenteuerlichen, nur locker zusammenhängen-den Einfällen fortbesteht. Sodann spielen hier Sinnestäuschungender verschiedensten Art eine durchaus herrschende Rolle, währendwir bei der Paranoia den Wahn sich ganz vornehmlich an wirkliche,aber wahnhaft verarbeitete Erfahrungen anknüpfen sahen. Be-sonderes Gewicht möchte ich auch auf die Ausbildung der körper-lichen Beeinflussungsideen, des sogenanntenphysikalischen Ver-folgungswahns, und namentlich auf die Willensstörungen legen,die sich in den steifen, gezierten Bewegungen, der Befehlsauto-matie, den Wortneubildungen, der Gedankenunfreiheit kundgebenund, soviel ich sehe, der Paranoia in unserem Sinne gänzlich fremdsind. Endlich aber verliert hier der Inhalt der Wahnvorstellungenim Laufe der Jahre ziemlich rasch seinen Einfluß auf das Handeln;