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XVI. Vorlesung.
beiden zu geben. Berücksichtigen wir, daß insbesondere die Wahn-vorstellungen bei der Dementia praecox, bei der Paralyse, beimmanisch-despressiven Irresein einerseits fehlen, andererseits dieverschiedenste Ausbildung gewinnen können, so werden wir bei derGleichartigkeit der Störungen auf dem Gebiete des Fühlens undHandelns zunächst keinen hinreichenden Anlaß haben, die hier be-schriebene Form grundsätzlich von den übrigen mannigfaltigen Ge-staltungen der Dementia praecox abzutrennen.
Schwieriger liegt die Frage bei einer weiteren, ziemlich großenGruppe von Fällen, für die Ihnen die 35 jährige Witwe als Beispieldienen mag, die ich Ihnen nunmehr vorführe. Die Kranke gibt überihre Lebensschicksale auf Befragen gute Auskunft, weiß, wo sie ist,kennt Datum und Jahreszahl und zeigt befriedigende Schulkennt-nisse. Auffällig ist, daß sie den Fragenden nicht ansieht und leise,in eigentümlich süßlichem, geziertem Tone spricht. Sobald manauf ihre Krankheit kommt, wird sie zunächst zurückhaltend, erklärtsich für ganz gesund, beginnt aber doch bald, eine Reihe von merk-würdigen Verfolgungsideen vorzubringen. Sie hört seit langenJahren Stimmen, die sie beschimpfen und geschlechtlich ver-dächtigen. Man nennt eine Reihe ihr bekannter Namen, kündigtihr an, daß sie entkleidet und gemißbraucht werde. Die Stimmensind sehr deutlich, müssen ihrer Meinung nach aus der Heimatdurch ein Fernrohr oder durch eine Maschine übertragen werden.Ihre Gedanken werden ihr vorgesprochen; dann muß sie sie denkenund hört sie noch einmal nachsprechen; in ihre Tätigkeit wird ihrhineingeredet. Zugleich hat sie allerlei unangenehme Empfindungenan ihrem Körper, an dem etwas „gemacht“ wird. Namentlich werdenihre „Mutterteile“ nach außen gekehrt; man schickt einen Schmerzdurch ihren Rücken, legt Eiswasser auf ihr Herz, schnürt ihrden Hals zu, verletzt das Rückgrat, vergewaltigt sie. Weit seltenersind Gesichtstäuschungen, das Sehen schwarzer Gestalten, ver-ändertes Aussehen der Personen. Wer alle die genannten Beein-flussungen vornimmt, und zu welchem Zwecke sie ausgeübt werden,vermag die Kranke nicht genauer zu sagen; bald sind es die Leuteaus ihrer Heimat, bald die Ärzte einer Anstalt, in der sie früherwar, die ihr etwas aus dem Leibe herausgenommen haben.
Alle diese absonderlichen Klagen bringt die Kranke ohne stär-kere Gemütsbewegung vor; sie weint wohl vorübergehend, schildert