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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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Paranoide Formen der Dementia praecox.

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bei der nächsten Begrüßung wieder freundlich, auch wenn er nochso sehr geschimpft und gedroht hat. Seine Sprache ist ein gesuchtesHochdeutsch.

Der Beginn dieses Krankheitsverlaufes mit den ziemlich raschsich entwickelnden Sinnestäuschungen würde unseren sonstigenBeobachtungen bei der Dementia praecox ganz gut entsprechen. Wirkönnen hinzufügen, daß auch der Ausbruch der Krankheit im Ge-fängnis nicht ungewöhnlich ist. Die große Mehrzahl derGefäng-nispsychosen, jedenfalls der Formen mit längerem Verlaufe, gehörtdem Gebiete der Dementia praecox an. Andererseits sind wir derüppigen Erzeugung ungeheuerlicher, stets wechselnder Wahnvor-stellungen, so wie sie hier stattfindet, bisher noch nicht begegnet.Der vorliegende Fall erhält dadurch ein ganz eigenartiges Gepräge,welches mich veranlaßt hat, dieser Gruppe von Beobachtungenunter dem Namen derDementia paranoides eine gewisse Sonder-stellung einzuräumen. Ich glaube nach meinen Erfahrungen sagenzu können, daß derartige Fälle durch Jahre und Jahrzehnte fast ge-nau das gleiche Bild darzubieten pflegen, weder gesund werden nochauch tiefer verblöden*). Die Wahnbildung bleibt dabei dauerndrege; immer neue und absonderlichere Gestaltungen lösen ein-ander ab; zugleich bestehen Gehörstäuschungen, öfters auch Ge-sichtstäuschungen, namentlich aber die merkwürdige Vorstellungeiner Beeinflussung des körperlichen Befindens und des Gedanrkenganges von außen her. Auf gemütlichem Gebiete beobachtenwir Reizbarkeit neben tiefer Teilnahmlosigkeit für die natür-lichen Lebensbeziehungen. Die Kranken sind zu wortreichen Er-güssen geneigt, ohne Bedürfnis nach Tätigkeit, ohne zielbewußtesStreben nach Besserung ihrer Lage, ohne Gedanken an die Zukunft.

Gerade diese letztere Störung, die gemütliche Verblödung,legt uns im Verein mit den schon früher angeführten Zeichen dieAnnahme nahe, daß diese Zustände trotz mancher abweichenderEinzelzüge mit der Dementia praecox in enger Verwandtschaft stehendürften. Es ist mir auch bisher nicht gelungen, eine scharfe Ab-grenzung zwischen beiden Gruppen von Krankheitsbildern aufzu-finden; vielmehr scheint es zahlreiche Übergangsformen zwischen

*) Der Kranke befindet sich seit 4 Jahren völlig unverändert in einerPflegeanstalt, äußert verworrene, wechselnde Wahnvorstellungen, ist zeitweisesehr erregt, dazwischen aber ganz besonnen, in seinem Benehmen geordnet.