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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XVI. Vorlesung.

Die klinische Deutung dieses höchst abenteuerlichen Zustandesbietet zunächst einige Schwierigkeit. Indessen lehrt uns die Un-sinnigkeit und Zusammenhanglosigkeit der mit voller Seelenruhevorgebrachten Wahnideen, daß wir es mit einem geistigenSchwächezustande zu tun haben. Zugleich weist uns die Be-fehlsautomatie, die Verworrenheit und Unflätigkeit der Reden desKranken, endlich das ganz unsinnige Spielen mit Anklängen auf Be-obachtungen hin, die wir früher bei der Dementia praecox ge-macht haben. Auch bei dem zuletzt besprochenen Kranken trafenwir ganz ähnliche Störungen.

Blicken wir zurück auf die Entwicklung der Krankheit, so er-fahren wir, daß eine Schwester des Kranken idiotisch war, daß erselber einen leichtsinnigen Lebenswandel führte, sich von seinerFrau trennte, mit anderen Frauenzimmern wechselnde Beziehungenanknüpfte und wegen Diebstahl, Urkundenfälschung und Betrug eineReihe von Zuchthausstrafen zu erstehen hatte. Die ersten Spurender Krankheit zeigten sich vor bald 4 Jahren im Zuchthause in Formvon Gehörstäuschungen. Der Kranke hörte, daß er von den anderenSträflingen wegen seines blühenden Aussehens bewundert wurde,daß man ihm Arrest androhte. Die Aufseher flüsterten:Sei still,da geht er; er hats schon wieder gehört; Herr Gott, hat der KerlOhren! Man rief seinen Vornamen, unterhielt sich über ihn. Danntraten Geschmackstäuschungen und Personenverkennungen auf, undschon nach einem halben Jahre entwickelten sich allmählich immerunsinnigere Größen- und Verfolgungsideen. Dieselben wechseltenvielfach, nahmen neue Züge in sich auf, gewannen aber nach undnach die jetzt noch bestehenden Formen, während die früheren Vor-stellungen zurücktraten. Wiederholt wurden lebhafte Erregungszu-stände mit Neigung zu Gewalttätigkeit beobachtet.

Seit 3 Monaten ist der Kranke in der Klinik. Meist verhält ersich ganz ruhig, zieht sich von den anderen Kranken zurück, be-schäftigt sich nicht, lebt in den Tag hinein, ist heiterer Stimmung,versichert, es gehe ihm gut, begrüßt den Arzt in etwas förmlicherWeise, äußert von selbst keinerlei Wahnvorstellungen. Sobald mansich jedoch mit ihm in ein Gespräch einläßt, wird man sehr baldmit ganz verworrenen, nur in den Hauptzügen einander ähnelnden,wahnhaften Reden überschüttet. Dabei gerät der Kranke in steigendeErregung, wird immer zusammenhangloser und gereizter, ist aber