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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
Entstehung
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Paranoia.

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kommt es regelmäßig zu einer geistigen Verarbeitung des Wahnes,zur Bildung einer wahnhaften Weltanschauung, einesSystems;die Krankheit führt zu einerVerrückung des Standpunktes, dender Krankegegenüber den Lebensereignisseneinnimmt. Das Leidenentwickelt sich immer ganz schleichend. Zunächst tauchen Ver-mutungen auf, die allmählich zur Gewißheit und felsenfesten Über-zeugung werden. Die Wahnvorstellungen knüpfen sich an wirklicheWahrnehmungen und Vorgänge an, die nur in krankhafter und vor-urteilsvoller Weise gedeutet werden; Sinnestäuschungen pflegenin dem ganzen Krankheitsbilde, wenn überhaupt, so doch nur eineuntergeordnete Rolle zu spielen; nicht selten begegnen uns jedochErinnerungsfälschungen. Da die Kranken ihre äußere Haltung be-wahren, wird das Leiden in der Regel erst nach langjährigem Be-stehen überhaupt erkannt; die Kranken kommen daher selten undspät, meist nur aus besonderem Anlasse, in die Irrenanstalt. Ge-wöhnlich sind sie imstande, ohne gröbere Störungen noch irgendeine Erwerbstätigkeit zu treiben.

Da das Leiden eine tiefgreifende Umwandlung der geistigenPersönlichkeit bedeutet, ist es einer Heilung nicht zugänglich*);vielmehr pflegt sich im Laufe der Jahrzehnte allmählich eine ge-wisse geistige Schwäche herauszubilden, wie es auch bei unseremKranken der Fall gewesen ist. Die Anstaltsbehandlung vertragendie Kranken schlecht, weil sie sich ein lebhaftes Gefühl für ihreSelbständigkeit bewahren und mit größtem Nachdrucke den Kampfum ihre Freiheit aufnehmen, wenn nicht schließlich mit fortschrei-tendergeistiger Schwäche ihreTatkraft erlahmt. Auch unser Krankerhat durch zahlreiche Eingaben, Briefe wie persönliche Besuche inZeitungsredaktionen den Versuch gemacht, seine Freiheit wieder-zugewinnen.

Einen noch viel hartnäckigeren Kampf hat der 42jährigeSchneidermeister geführt, den ich Ihnen als Beispiel einer anderenForm der hier besprochenen Krankheit zeigen möchte. Er ist vor7 Jahren in Konkurs geraten und hat damals erbitterte Rechtsfehdenmit dem Anwälte einiger Hauptgläubiger durchgefochten. Später

*) Der Kranke befindet sich seit 9 Jahren ohne merkliche Veränderungseines Zustandes in einer Pflegeanstalt, betreibt auch von da aus durch Ein-gaben, Ausarbeitung von Erfindungen, Beteiligung an Preisausschreiben seineRückkehr in eine seinen Ansprüchen angemessene Lebensstellung.