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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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Paranoia.

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eine sehr geringe Rolle. Einmal allerdings machte der Kranke, alser an einem Hause vorbeiging, die Wahrnehmung, daß hinter denhalb heruntergelassenen Läden ein Einjähriger mit einer Schußwaffenach ihm zielte. Zugleich rief jemand:Sehen Sie denn nicht, daßman auf Sie schießt? Nach einer nochmaligen Warnung, bei derihm im Stolpern der Hut vom Kopfe flog, bemerkte er, daß einStreifschuß seine linke Schläfe schrammte, so daß etwas Blut floß.Unmittelbar neben ihm stand der Bewohner jenes Hauses, ein ihmfeindlich gesinnter Rechtsanwalt, mit einem Messer in der Handund rief ihm zu, daß er ihn habe zeichnen wollen, weil er seinerFrau zu nahe getreten sei. Wie der Kranke annahm, wollte jenerrasch den Hut mit dem Kugelloch durch einen anderen ersetzen unddem Leichnam, den er zu finden erwartete, das Gesicht bis zur Un-kenntlichkeit zerschneiden, um so seine Täterschaft zu verdecken.Wieweit es sich bei dieser Erzählung um Täuschungen oder wahn-hafte Deutung harmloser Vorkommnisse handelt, läßt sich nichtentscheiden. Ich möchte indessen darauf aufmerksam machen,daß solche Erlebnisse bisweilen ganz frei erfunden werden, aber denKranken als wirkliche Erinnerungen erscheinen. Jedenfalls sindsonst bei unserem Kranken Sinnestäuschungen nicht nachzuweisen.Vielmehr knüpfen sich seine Verfolgungsideen durchweg an gleich-gültige und vieldeutige wirkliche Ereignisse an, denen er selbst nurihre besondere Auslegung gibt, wie bei den Löchern in den Stiefeln,der Verbringung in die Anstalt, den erfolglosen Bewerbungen.

Bei dieser wahnhaften Verarbeitung tritt deutlich eine erheblicheUrteilsschwäche des Kranken hervor. Auch wenn man ihn aus-drücklich darauf hinweist, begreift er die Unsinnigkeit seiner Auf-fassung nicht, daß die Tochter des englischen Konsuls in Quito hierüber 20 Jahre lang in so sonderbarer Weise um seine Liebe werben,sich in Mannskleider stecken, alle möglichen Menschen zu ihrerHülfe gewinnen solle. Er hilft sich gegen Einwände mit der Be-merkung, man wisse gar nicht, was alles so ein raffiniertes Frauen-zimmer fertig bringe. Die gleiche Urteilslosigkeit tritt uns in seinerSelbstüberschätzung entgegen. Trotz aller Mißerfolge leuchtet esihm nicht ein, daß er seine Ansprüche herunterschrauben müsse;für seine langsame und rein mechanischeTätigkeit beim Abschreibenoder Ausführen einfacher Zeichnungen verlangt er große Summen.Dabei zeigt sich, daß er ganz außerstande ist, Arbeiten zu leisten,