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XV. Vorlesung.
Schikanen die Liebe eines Mannes nicht erwerbe. Er würde viel-leicht einer der reichsten Männer Kaliforniens sein, wenn dieBulldogg ihn nicht daran gehindert hätte. Auch an seiner Ver-bringung in die Anstalt sei sie schuld — „wer denn sonst etwa?“Bei seinen Ausgängen wie im Hause sei sie ihm schon wiederholtbegegnet. In seinen Stiefeln habe er Löcher, an den KleidernFlecke entdeckt, die unmöglich anders entstanden sein könnten, alsdurch die Bulldogg.
Alle Einwendungen, die man gegen diese Ideen vorbringt,werden von dem Kranken mit überlegener, ungläubiger Miene auf-genommen und prallen an seiner felsenfesten Überzeugung spurlosab. Man erkennt sofort, daß er nicht einmal an den Ernst unsererEntgegnungen glaubt, sondern der Meinung ist, daß wir ihm dieSache gegen unsere wirkliche Ansicht ausreden wollen.
Die wesentlichste geistige Störung bei unserem Kranken,dessen Auffassung, Gedächtnis und äußere Haltung keinerlei Ab-weichungen erkennen lassen, sind seine Beeinträchtigungs-ideen einerseits, seine starke Selbstüberschätzung anderer-seits. Namentlich die ersteren tragen ohne weiteres die Kenn-zeichen des Wahnes. Sie widersprechen jeder vernünftigen Er-fahrung, werden von dem Kranken gar nicht näher begründet unddennoch mit äußerster Beharrlichkeit festgehalten. Wie es scheint,bestehen sie schon seit über 20 Jahren in annähernd derselbenForm und haben ihrerseits fortlaufend zu wahnhafter Deutung derLebensereignisse geführt. Alle kleinen Widerwärtigkeiten, zuletztauch die Verbringung in [die Anstalt, werden nicht auf den natür-lichen Lauf der Dinge, sondern auf die zielbewußten Handlungeneiner bestimmten Person und ihrer Helfershelfer zurückgeführt.Der Kranke hat sich also gewissermaßen eine wahnhafte Welt-anschauung gebildet, von deren Standpunkt aus er die neuen Er-fahrungen verarbeitet. So kommt es, daß die Verfolgung allmäh-lich eine immer abenteuerlichere wird. Immer weitere Kreiseseiner Umgebung erweisen sich als auf Seite der Bulldogg stehend,und auch wir sind schon im Begriffe, dieses Schicksal aller Per-sonen zu teilen, die irgendwie den Wünschen des Kranken ent-gegenzutreten gezwungen sind.
Eigentliche Sinnestäuschungen spielen, soweit sich das über-sehen läßt, in der Entwicklung des Wahnes keine oder doch nur