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Einführung in die psychiatrische Klinik : zweiunddreißig Vorlesungen
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XIV. Vorlesung. Wochenbettirresein.

schiedes zwischen wahren und falschen Ursachen, dessen Ver-nachlässigung in der Psychiatrie wie in der Medizin so oft ver-hängnisvoll geworden ist. Für die Katatonie bestehen ohne Zweifeltiefere ursächliche Beziehungen zum Fortpflanzungsgeschäfte beimWeibe, wenn auch der letzte Angriffspunkt jener Umwälzungennoch ganz unbekannt ist. Auch bei dem Kollapsdelirium ist einsolcher innerer Zusammenhang einigermaßen wahrscheinlich. Da-gegen können wir in denjenigen Fällen, in denen sich eine Manieoder gar eine Paralyse an das Wochenbett anschließt, höchstensvon einer auslösenden Wirkung der körperlichen Schädigung aufdie schon anderweitig vorbereitete Krankheit sprechen. Im vor-liegenden Falle endlich ist selbst eine solche entfernte Wirkung aufden Ausbruch des Irreseins kaum noch festzustellen. Alle dieseUnterschiede prägen sich, wie ich glaube, deutlich in der klinischenForm der Geistesstörung aus. Wir sind bei genauer Beachtung desgesamten Krankheitsbildes recht wohl imstande, aus diesem selbstzu schließen, welche Rolle das Fortpflanzungsgeschäft in der Kettevon Ursache und Wirkung gespielt hat.

Das choreatische Irresein pflegt, wenn die Kranken nicht anErschöpfung zugrunde gehen, einen gutartigen Verlauf zu nehmenund in völlige Genesung zu endigen*). Wir werden im vorliegen-den Falle die Aufgabe haben, der Kranken möglichste Ruhe zu ver-schaffen, sie gut zu nähren und vor Infektionen zu schützen. Zu-nächst wollen wir versuchen, durch Darreichung von Salipyrindie Chorea selbst zu bekämpfen. Wir behandeln die Kranke imDauerbade und suchen ihr soviel flüssige Nahrung wie nur möglichbeizubringen. Die Zellgewebsentzündung wird nach den gebräuch-lichen Grundsätzen der Chirurgie behandelt.

*) Die Kranke genas nach 5wöchiger Dauer der Störung. Ein Jahr spätertrat im Anschlüsse an gehäufte Anfälle von neuem ein Delirium mit Choreaauf, das mehrere Wochen dauerte. Seitdem war die Kranke im Laufe von3 Jahren noch 5mal wegen deliranter Zustände in der Klinik; die ersten Malewaren noch Andeutungen von Chorea vorhanden, später nicht mehr. Die epilep-tischen Anfälle kamen dauernd alle paar Wochen gruppenweise und gingenhäufiger mit leichter Verwirrtheit einher. Die geistige Leistungsfähigkeit derKranken nahm dabei allmählich ab.